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Bis zu 50 Tage: Kassenärzte warnen vor langen Wartezeiten

07.04.2026 3 Min. Lesedauer

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt vor deutlich längeren Wartezeiten auf einen Facharzttermin, sollte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die Empfehlungen der von ihr eingesetzten Expertenkommission umsetzen. Würde die Politik den Vorschlägen eins zu eins folgen, „dann müssen sich die Patienten darauf einstellen, schon bald 50 Tage und mehr auf einen Facharzttermin zu warten“, sagte KBV-Chef Andreas Gassen dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). Aufgrund des bestehenden Kostendeckels würden aktuell 40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet.

Bei einer Streichung der Zuschläge, die über die Terminservicestellen oder Hausärzte vermittelt würden, böten die Praxen nur noch Termine an, die tatsächlich bezahlt würden, so Gassen. „40 Millionen weniger Termine bedeuten, dass etwa jeder elfte Termin damit wegfällt“, rechnete er vor. Gassen wies die Argumentation der Expertenkommission und des Bundesrechnungshofs (BRH) zurück, die Zuschlagsregelung habe für die Versicherten nichts gebracht. „Die Fachärzte haben in den vergangenen Jahren natürlich deutlich mehr Termine angeboten, weil es sich durch die Zuschläge finanziell gelohnt hat“, sagte er. „Aber wir erleben, dass der gefühlte Bedarf eigentlich nicht zu stillen ist.“ Die Forderung von SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nach einer Termingarantie von drei Wochen nannte Gassen „Bullshit“.

In einer Langzeitanalyse hatte der BRH im Februar dieses Jahres das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) als Milliardenverschwendung gerügt. Bis Mitte 2024 habe die Sondervergütung die Kassen mit 2,9 Milliarden Euro Mehrkosten belastet, rechnete die Behörde vor. Dem habe kein erkennbarer Nutzen gegenübergestanden. Vielmehr hätten sich die Wartezeiten für Patienten sogar verlängert. Die Prüfer forderten, das TSVG „ersatzlos“ zu streichen. Nach Angaben der Bundesregierung warteten im Jahr 2024 gesetzlich Versicherte 42 Tage auf einen Facharzttermin – neun Tage länger als bei Einführung der Sondervergütung im Jahr 2019.

Illustration: Ein Mann steht vor einem Schreibtisch, hinter dem eine Ärztin an einem Laptop sitzt. Oben links in der Ecke ist ein Icon mit einem Wegweiser und einen Arztmännchen zu sehen.
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Auch jeder dritte Versicherte ist laut einer Umfrage des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) unzufrieden mit den fachärztlichen Terminwartezeiten. Demnach warteten 25 Prozent länger als 30 Tage auf einen Termin, immerhin jeder Zweite konnte binnen zehn Tagen die Fachärztin oder den Facharzt sprechen. Laut GKV-SV geht es in der Praxis bei der Terminvergabe zu selten um medizinische Notwendigkeit und zu oft um den Versicherungsstatus. Im MDR sagte Sprecher Florian Lanz, es wäre ein Fortschritt für die Versorgung, wenn künftig nicht mehr zwischen gesetzlich und privat Versicherten unterschieden würde. (bhu)

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