Bündnis will Verankerung von Hitzeschutz in Krisenvorsorge
Extremhitze sollte nach Ansicht von 150 Organisationen künftig verbindlich in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz integriert werden. Zudem müssten klare Zuständigkeiten auf allen Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen definiert werden, forderten die Verbände aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft anlässlich des Hitzeaktionstages am Donnerstag. Des Weiteren müssten effektive soziale Schutzstrukturen für Risikogruppen geschaffen sowie Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen für Hitzelagen gezielt gestärkt werden.
„Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer (Bäk), Klaus Reinhardt. Krankenhäuser, Pflegeheime und Arztpraxen müssten auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben.
„Es wird wärmer weltweit von Jahr zu Jahr“, erläuterte der Meteorologe und Wettermoderator Karsten Schwanke. Die Entwicklung sei aber nicht linear, sondern „wir erleben weltweit eine Beschleunigung der Erwärmung“. 2024 sei global das erste Mal die 1,5-Grad-Marke gerissen worden, schon in wenigen Jahren würde die Zwei-Grad-Marke überschritten. Schwanke zufolge führt diese Entwicklung in Deutschland zu mehr Hitzetagen (über 30 Grad) und extremen Hitzetagen (über 35 Grad), zu häufigeren und längeren Hitzewellen, zu mehr Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad. „Selbst 45 Grad sind nicht mehr auszuschließen – und zwar im Schatten. Das wird eine riesengroße Belastung.“
„Die Auswirkungen von klimawandelbedingten Extremwetterlagen auf die Gesundheit sind bislang noch nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein verankert“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD). In ihrem Bundesland solle daher Aufmerksamkeit für dieses Thema geweckt werden, auf hitzebedingte Gesundheitsrisiken zu reagieren oder diese zumindest zu verringern. So sei etwa die Verpflichtung gesetzlich verankert worden, in Pflegeeinrichtungen Hitzeschutzkonzepte zu erstellen. Zudem machte sie deutlich, wie wichtig schattenspendende Grünflächen in Städten sind. Erst am Vortag hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisch angemerkt, dass zwischen 2018 und 2025 fast eine Million Bäume aus deutschen Städten verschwunden seien.
Hitzeschutz müsse auch bei den Investitionen mitbedacht werden, forderte Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug). „Wir haben jetzt einen Investitionsfonds extra für Infrastruktur.“ Da müsse der Schutz vor heißen Temperaturen unbedingt mit hinein.
Zu den Initiatoren der Forderungen zählen neben Bäk und Klug unter anderem die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und der GKV-Spitzenverband. (bhu)
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