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Mehr als jede dritte Hausarztpraxis baut auf interprofessionelle Teams

13.10.2026 3 Min. Lesedauer

Hausarztpraxen holen sich zunehmend Verstärkung: 37 Prozent beschäftigen inzwischen speziell qualifizierte Fachkräfte zur ärztlichen Unterstützung. Das zeigt eine WIdO-Auswertung zu nichtärztlichen Praxisassistenzen (NäPA) und Versorgungsassistenzen in der Hausarztpraxis (VERAH). Demnach stieg die Zahl der Praxen mit mindestens einer dieser Fachkräfte von 2015 bis 2024 von rund 7.000 auf mehr als 11.000. „Das entspricht einem Gesamtzuwachs von etwa 60 Prozent innerhalb von zehn Jahren“, sagte WIdO-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen. 63 Prozent beschäftigten noch keine dieser Fachkräfte.

Auf dem Land setzt fast jede zweite Hausarztpraxis (47 Prozent) dem WIdO zufolge eine NäPA oder VERAH ein, in Städten sind es 27 Prozent. Im Ländervergleich führt Sachsen-Anhalt mit knapp 60 Prozent vor Baden-Württemberg (etwa 50 Prozent). Schlusslichter sind Berlin (14 Prozent) und Hamburg (27 Prozent). Auf Kreisebene sind die Fachkräfte in hausärztlich schwächer versorgten Regionen am stärksten verbreitet. Die erhebliche regionale Varianz zeigt laut Scheller-Kreinsen, dass „noch deutliche Entwicklungspotenziale bestehen“.

NäPA und VERAH übernehmen Aufgaben in der Wundversorgung und Betreuung chronisch Kranker. Vor allem größere, arbeitsteilig organisierte Praxen beschäftigen sie. „Der Grund dürfte darin liegen, dass größere Praxen eher über die nötigen organisatorischen und räumlichen Ressourcen verfügen“, erläuterte der WIdO-Geschäftsführer. 

Praxen mit NäPA oder VERAH behandeln anteilig etwas mehr chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen. Ansonsten unterscheidet sich ihr Patientenklientel kaum. Bei Hausbesuchen zeigen sich deutliche Unterschiede: 84 Prozent der Praxen mit NäPA oder VERAH boten Besuche durch qualifizierte Fachkräfte an, gegenüber 36 Prozent der übrigen Praxen. Beim Angebot ärztlicher Hausbesuche gab es dagegen kaum Unterschiede. „Das spricht dafür, dass NäPA und VERAH die Hausbesuchskapazität erweitern, ärztliche Hausbesuche aber nicht ersetzen“, so Scheller-Kreinsen.

Foto: Roter Sand läuft durch eine Sanduhr.
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Für die bevorstehende Primärversorgungsreform fordert er, interprofessionelle Versorgung bereits bei der Neubesetzung hausärztlicher Sitze mitzudenken, „da Fachkräftemangel und Fälle chronischer Morbidität in den nächsten Jahren stark zunehmen werden“. Die Demografiedebatte dürfe sich nicht allein auf ärztliche Kapazitäten konzentrieren.

AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann sieht in den Ergebnissen Rückenwind für die geplante Primärversorgung. Sie müsse „nicht bei null anfangen“. Nötig seien eine „genaue Definition von Rollen, Zuständigkeiten und Verantwortungsbereichen sowie eine Weiterentwicklung der bisher arztzentrierten Bedarfsplanung“. Die Patientensteuerung müsse jetzt zügig durch einen Gesetzentwurf angegangen werden. (sr)

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