GKV-Sparpaket: Schmerzmediziner warnen vor fatalen Folgen
Die von der Bundesregierung geplanten Einsparungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden die Versorgung chronisch schmerzkranker Menschen nach Einschätzung von Experten massiv gefährden. Vor allem für die personalintensive interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie stelle der Entwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes (BStabG) eine Bedrohung dar, warnte der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Frank Petzke, anlässlich des heutigen „Aktionstags gegen den Schmerz“.
„Beitragsstabilität darf nicht zulasten von Millionen Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten erkauft werden“, forderte Petzke. Krankenhausökonomisch gesehen sei die multimodale interdisziplinäre Schmerztherapie, bei der Ärzte, Psychologen, Pflege, Physio-, Ergo- und Sporttherapie zusammenwirken, das schwächste Glied in der Klinik. Das erkläre sich mit dem dafür nötigen hohen Personalbedarf, der aber den besonderen Bedürfnissen von Schmerzpatienten gerecht werde. Entfalle die nötige Behandlung, könne dies schwerwiegende Folgen haben – von Depressionen über Angstzustände bis hin zu Arbeitsunfähigkeit und erhöhtem Pflegebedarf.
Schon beim Ende März verabschiedeten Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) habe es die Politik versäumt, eine spezifische Leistungsgruppe einzuführen. Die Versorgungslage bezeichnete der Präsident der Schmerzgesellschaft als angespannt, etwa jede fünfte Klinik mit einer Schmerzfachabteilung sei in ihrer Existenz gefährdet.
Auch die Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBFK), Vera Lux, warnte vor Qualitätsverlust durch die geplanten Einsparungen. Werde das Pflegebudget im Krankenhausbereich gedeckelt und würden tarifliche Vergütungen für Pflegefachpersonen nur noch anteilig refinanziert, „wird dies unweigerlich zu weniger Pflegepersonal führen“. Es sei „widersprüchlich, eine Verbesserung der Versorgung zu fordern und gleichzeitig erhebliche Einsparungen im Gesundheitssystem umzusetzen“.
Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland erfüllen laut Schmerzgesellschaft die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten, stark bis sehr stark beeinträchtigenden Schmerzes. Für 2,2 Millionen Menschen ist demnach Schmerz zum alles bestimmenden Faktor im Leben geworden. Mit dem jährlichen „Aktionstag gegen den Schmerz“ will die Schmerzgesellschaft zusammen mit Partnerorganisationen auf die Lage Betroffener aufmerksam machen und über aktuelle Erkenntnisse und Therapiewege in der Schmerzmedizin informieren. (ter)
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