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Sepsis-Stiftung will jährlich 10.000 Todesfälle verhindern

03.09.2026 2 Min. Lesedauer

Die Sepsis-Stiftung mahnt zu einer nationalen Strategie, um jährlich mindestens 10.000 Todesfälle durch die Erkrankung zu verhindern. In einem heute vorgestellten Dossier zeigt der Verband Wege auf, Prävention, Früherkennung, Akutversorgung, Rehabilitation, Forschung und den Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen besser zu verzahnen. „Entscheidend ist, vorhandenes Wissen konsequent in bessere Versorgung und weniger Todesfälle zu übersetzen“, betonten der Stiftungsvorsitzende Bernd Böttiger und Vizechefin Marlies Ostermann.

Nach Stiftungsangaben erkranken jährlich mehr als 500.000 Menschen in Deutschland an Sepsis, mindestens 140.000 sterben. Konrad Reinhart, Gründungspräsident der Sepsis-Stiftung, sagte, 80 Prozent der Fälle entstünden außerhalb des Krankenhauses. Im internationalen Vergleich steht Deutschland immer schlechter da: Von 1990 bis 2019 stieg die sepsisbezogene Mortalität hierzulande um 10,1 Prozent, während sie zum Beispiel in Ländern wie Norwegen um 26,7 Prozent und in Finnland um 21,1 Prozent sank.

Das Ausmaß der Folgen machte Ulf Bodechtel, Chefarzt an der Klinik Bavaria Kreischa, deutlich: Ein Drittel der Todesfälle ereigne sich im Krankenhaus, ein weiteres Drittel im Jahr danach. Drei von vier Überlebenden hätten neue Diagnosen oder Einschränkungen, etwa jeder Dritte werde neu pflegebedürftig. Für Akut- und Folgebehandlung nannte er zwölf Milliarden Euro jährlich.

Christian Scheer, leitender Oberarzt der Universitätsmedizin Greifswald, sieht in den Kliniken erhebliche Versorgungslücken. Gezieltes Sepsis-Screening finde nur in etwa der Hälfte der Bereiche statt – ob nach Sepsis gesucht werde, gleiche „eher einem Münzwurf“. Häufig fehlten standardisierte Behandlungspfade. Nötig seien schnelle Antibiotikatherapie, rasche operative Beseitigung behandelbarer Infektionsherde, rund um die Uhr verfügbare Labore und regelmäßige Schulungen.

Bei Sepsisverdacht gelte: „Jede Minute zählt“, so Irmgard Landgraf, Vorstandsmitglied der Sepsis-Stiftung und hausärztliche Internistin. Sie verwies auf die Wichtigkeit von Impfungen gegen diverse Infektionen, früher Infektionsbehandlung, geschulten Praxisteams und guter Nachsorge. Schulungen für Praxisteams seien bislang kein Standard.

Wie Prävention praktisch wirken kann, zeigt die Sepsis-Vorreiterregion Main-Taunus-Kreis: Hinweise auf Rettungs- und Notarztwagen erinnern daran, neben Herzinfarkt und Schlaganfall auch Sepsis als zeitkritischen Notfall mitzudenken. Als weiteres Vorbild gilt der britische National Health Service (NHS) mit „Martha’s Rule“. Die Regel wurde nach dem Tod der 13-jährigen Martha Mills eingeführt, deren Eltern eine Verschlechterung ihres Zustands bemerkten, mit ihren Sorgen aber nicht ausreichend gehört wurden. Patienten und Angehörige können deshalb eine unabhängige klinische Überprüfung verlangen. (sr)

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