RKI schätzt bereits 7.900 Hitzetote in Deutschland
Die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in Deutschland ist seit der großen Hitzewelle Ende Juni erneut gestiegen. Bis einschließlich 12. Juli gab es laut Robert-Koch-Institut (RKI) rund 7.900 Hitzetote. Zwei Wochen zuvor waren es noch 5.120. Besonders betroffen sind ältere Menschen. Rund 2.110 Todesfälle entfielen auf die Altersgruppe der 75- bis 84-Jährigen, etwa 4.630 auf Menschen ab 85 Jahren. Insgesamt starben absolut betrachtet mehr Frauen als Männer im Zusammenhang mit Hitze. Das RKI führt dies auf den höheren Frauenanteil in den älteren Altersgruppen zurück.
In einigen Fällen, etwa bei einem Hitzschlag, kann die Hitzeeinwirkung laut RKI unmittelbar zum Tod führen. Meist sei jedoch das Zusammenwirken von Hitze und bestehenden Vorerkrankungen ausschlaggebend für den Tod. Deshalb werde Hitze auf Totenscheinen in der Regel nicht als zugrunde liegende Todesursache erfasst. Das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle müsse daher statistisch geschätzt werden.
Die parallel betrachtete Übersterblichkeit schätzt das RKI derzeit auf 14.500 Fälle. Übersterblichkeit bedeutet, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben als normalerweise zu erwarten wäre. Für seine Analyse nutzt das Institut Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes und Temperaturdaten des Deutschen Wetterdienstes. Im aktuell ausgewerteten Zeitraum vom 6. bis 12. Juli lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur bei 20,5 Grad. Nach Angaben des RKI steigt die Gesamtsterblichkeit ab einer durchschnittlichen Wochentemperatur von etwa 20 Grad hitzebedingt an. In sechs Bundesländern wurde demnach dieser Wert überschritten.
Wie stark hohe Temperaturen die Versorgung beanspruchen, zeigte zuletzt eine RKI-Auswertung aus Notaufnahmen. Während des extrem heißen Wochenendes Ende Juni stieg der Anteil hitzeassoziierter Fälle in den beteiligten Rettungsstellen auf mehr als sechs Prozent – üblich sind sonst etwa ein bis 1,2 Prozent. Ärzte-, Pflege- und Patientenverbände fordern deshalb wiederholt verbindliche und dauerhaft finanzierte Hitzeschutzmaßnahmen, insbesondere für Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Auch die Weltgesundheitsorganisation mahnte Ende Juni erneut Aktionspläne, Frühwarnsysteme und Investitionen in klimaresiliente Gesundheitssysteme an. Besonders gefährdet sind neben älteren und chronisch kranken Menschen auch Kinder, Schwangere, Beschäftigte im Freien und sozial Benachteiligte. (ts)
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