RKI: Prävention kann das Pflegesystem entlasten
Angesichts der durch Überalterung und Fachkräftemangel angespannten Pflegesituation in Deutschland mahnt das Robert-Koch-Institut (RKI), Prävention und Gesundheitsförderung gezielt zu stärken. Angebote zur Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Vermeidung oder Verzögerung von Pflegebedürftigkeit seien von zentraler Bedeutung, um die individuelle Lebensqualität zu erhalten und das Pflegesystem langfristig zu entlasten, schreibt das RKI in seinem aktuellen Epidemiologischen Bulletin. „Gesundheitsfördernde und präventive Maßnahmen sollten dabei als langfristige bevölkerungsweite Strategie mit einem Health-in-All-Policies-Ansatz zusammenwirken“, empfiehlt das RKI.
Für den Bericht führte das RKI Statistiken, Studien und Berichte zusammen, „um den vielschichtigen und komplexen Themenbereich Pflege und Pflegebedürftigkeit angemessen abzubilden“. So stellte das Statistische Bundesamt Daten zur Anzahl und zum Anteil Pflegebedürftiger zur Verfügung; die Analysen von Krankenkassendaten, vor allem der Pflege-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), lieferten wichtige zusätzliche Erkenntnisse.
Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, stellt laut RKI jedoch in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Nach aktuellem Stand leide mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung an chronischen Erkrankungen, rund ein Drittel beschreibe den eigenen Gesundheitszustand als eingeschränkt, ein Fünftel weise eine depressive Symptomatik auf und ab einem Alter von 65 Jahren sei mehr als die Hälfte von Multimorbidität und Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens betroffen.
„Gesundheitsförderung und Prävention sollten sowohl strukturelle als auch verhaltensbezogene Ansätze umfassen und Gesundheitschance sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen durch verbesserte Teilhabe an gesunden Lebens- und Arbeitswelten erhöhen“, rät das RKI. „Neben Maßnahmen zur Unterstützung gesundheitsförderlicher Verhaltensweisen sollte die Gesundheitskompetenz gestärkt werden.“ Sie sei wesentlich, um gesundheitsförderliches Verhalten zu unterstützen. Wichtig seien auch Angebote zur Unterstützung und Entlastung pflegender Angehöriger, zumal Pflegende später selbst ein höheres Risiko hätten, pflegebedürftig zu werden, betont das RKI. „Ziel aller Maßnahmen sollte ein längerer Erhalt von Selbstständigkeit sein.“
Dass für Angehörige die Pflege auch weitreichende Folgen für Erwerbsbiografie, Einkommen und Gesundheit hat, belegt der aktuelle WIdOmonitor „Zur Lage pflegender Angehöriger“. Demnach sind zwei Drittel der pflegenden Angehörigen (63 Prozent) täglich in die Versorgung und Betreuung der Pflegebedürftigen eingebunden, 45 Prozent reduzierten dafür die eigene Erwerbstätigkeit. Knapp die Hälfte der Befragten in Voll- oder Teilzeitarbeit (46,9 Prozent) fühlt sich dabei körperlich und psychisch hoch belastet. (bhu)