Reinerträge der Arztpraxen steigen unterschiedlich stark
Die Einnahmen der niedergelassenen Ärzte in Deutschland sind zuletzt wieder stärker gestiegen als die Ausgaben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) heute mitteilte, erzielten die Arztpraxen 2024 im Schnitt Einnahmen von 854.000 Euro und damit 6,2 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Aufwendungen je Praxis lagen mit 516.000 Euro um 4,7 Prozent über jenen des Vorjahres. Der durchschnittliche Reinertrag je Arztpraxis stieg 2024 um neun Prozent auf 338.000 Euro.
Beim Reinertrag zeigten sich allerdings große Unterschiede. Die Hälfte aller Arztpraxen nahm laut Destatis bis zu 502.000 Euro ein und erzielte bei Aufwendungen bis zu 260.000 Euro einen Reinertrag von höchstens 232.000 Euro (Median). Der Reinertrag stellt nach Angaben der Statistikbehörde das Ergebnis des Geschäftsjahres der gesamten Praxis dar. Aufwendungen für Praxisübernahmen oder Aufwendungen für die Alters-, Invaliditäts-, Hinterbliebenen- und Krankenversicherung der Praxisinhaberinnen und -inhaber sind darin nicht berücksichtigt.
Seit der Entbudgetierung im Oktober 2025 erhalten Hausärztinnen und Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte fast alle Leistungen vergütet. Zu den „Gewinnern“ der Entbudgetierung zählen vor allem die Hausärzte in Hamburg und Berlin. Das ergab eine Umfrage der „Ärzte Zeitung“, an der sich elf der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) beteiligten. Im ersten Vierteljahr mit Entbudgetierung sei etwa in Berlin das Gesamthonorar im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15,6 Prozent auf knapp 181 Millionen Euro, das Honorar je Arzt um 16 Prozent auf 76.600 Euro gestiegen.
Zahnarztpraxen erwirtschafteten nach Destatis-Zahlen 2024 durchschnittlich 937.000 Euro an Einnahmen, die Aufwendungen betrugen im Schnitt 632.000 Euro. Der Reinertrag stieg demnach gegenüber dem Vorjahr um 7,4 Prozent auf 305.000 Euro je Zahnarztpraxis. Auch hier lag der Median des Reinertrags mit 217.000 Euro darunter.
Im Schnitt beschäftigten Arztpraxen 2024 zehn Personen. Die mit durchschnittlich zwei Personen tätigen psychotherapeutischen Praxen steigerten die Einnahmen 2024 um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 134.000 Euro je Praxis. Allerdings erhöhten sich die Aufwendungen in diesem Leistungsbereich um 22,9 Prozent auf 43.000.Euro je Praxis (2023: 35.000 Euro). Der durchschnittlich erwirtschaftete Reinertrag stieg um 4,7 Prozent auf 90.000 Euro je Praxis, bei der Hälfte waren es jedoch maximal 83.000 Euro.
In den nächsten Wochen laufen die jährlichen Finanzierungsverhandlungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über die Steigerungsrate der Vergütung 2027. Obschon das GKV-Sparpaket Abstriche bei bisherigen Sondervergütungen außerhalb der Budgets vorsieht, können die Ärzte auch im nächsten Jahr mit einem Honorarplus rechnen. Der Zuwachs darf laut Gesetz der Grundlohnsummensteigerung 2025 abzüglich ein Prozent entsprechen. (ter)
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.