Schwarz-Rot will Hausärzten entgegenkommen
Im Streit um das im Juli verabschiedete GKV-Sparpaket will die Politik bisher vorgesehene Honorarbremsen für die Hausärzte kippen. Die Regierungskoalition werde den sogenannten Fixkostendegressionsabschlag (FDA) für Haus- sowie Kinder- und Jugendärzte „wieder rausnehmen“ und das Beitragssatzstabilisierungsgesetz für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) entsprechend nachbessern. Das kündigte der SPD-Gesundheitspolitiker Serdar Yüksel am Mittwochabend bei den „Rosenthaler Gesprächen“ des AOK-Bundesverbandes an. Der FDA sieht vor, dass Mediziner bei steigenden Patientenzahlen in der hausarztzentrierten Versorgung weniger Honorar pro Kopf erhalten. Die Ärzte hatten kritisiert, dies bestrafe Praxen, die neue Patienten aufnehmen, verschärfe damit Engpässe und gefährde die Versorgung.
Die Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) bekräftigte bei seinem Verbandstag heute in Berlin die Kritik an dem Sparpaket. „Das GKV-Spargesetz kürzt massiv in der hausärztlichen Versorgung, gleichzeitig will die Bundesregierung den Praxen immer neue Aufgaben aufhalsen, beispielsweise in der Notfallversorgung oder durch die vollkommen sinnlose Verschärfung der AU-Regeln“, ärgerte sich die Co-Bundesvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth. Sie hoffe auf ein positives Signal der Politik. Der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) wollte am Abend seine erste Rede in dieser Rolle im Bundestag halten und seinen Reformkurs abstecken. Yüksel zeigte sich zuversichtlich, dass die geplante Primärversorgungsreform trotz des Ministerwechsels noch dieses Jahr verabschiedet wird.
Der HÄV legte einen Sechs-Punkte-Forderungskatalog an die Politik vor. Darin verlangt er, im Zuge des geplanten Primärversorgungsmodells die hausarztzentrierte Versorgung finanziell zu stärken, den FDA zu streichen und in der ärztlichen Honorarordnung die sprechende Medizin besser zu vergüten. „Wir geben zu wenig für Primärversorgung aus“, stimmte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen zu. Mit Kopfschütteln quittierte der Hausärzteverband die geplante Verschärfung bei Krankschreibungen und das Aus für die Telefon-AU. „Die AU-Pflicht ab dem ersten Tag wird zusätzlich Millionen Patientinnen und Patienten aus rein bürokratischen Gründen in die Praxen treiben. Dies verursacht viel Arbeit und hohe Kosten“, heißt es in dem Papier.
Bestätigt sieht sich der HÄV in seinen Forderungen durch eine von ihm beauftragte Civey-Umfrage unter 5.000 Bürgern. Danach gaben 44 Prozent an, dass sich die hausärztliche Versorgung in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert habe. 62 Prozent befürchten durch das GKV-Spargesetz längere Wartezeiten und 60 Prozent weniger Zeit beim Arztgespräch. 50 Prozent erwarten eine schlechtere Behandlungsqualität. Zugleich wird die Gesundheitsversorgung zunehmend zum Wahlthema: 51 Prozent der Befragten sagten, die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung beeinflusse ihre Wahlentscheidung – gut 14 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. (cm)
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.