GKV-Sparpaket: Pharmariesen erhöhen Druck auf Politik
Im Streit um das schwarz-rote Spargesetz für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erhöht die Pharmabranche ihren Druck auf die Politik. Die Konzerne Eli Lilly und Boehringer Ingelheim drohen, milliardenschwere Investitionen zu streichen. Als Grund nannten sie die Sparpläne bei Arzneimitteln wie höhere Rabatte und strengere Preisregeln. Ein Sprecher von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verwies laut „Handelsblatt“ auf das parlamentarische Verfahren. Hingegen warnte der GKV-Spitzenverband vor einem „Schonprogramm“ für die Pharmaindustrie. Ihr geplanter Sparbeitrag bleibe weit hinter den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit zurück. Entgegen den Klagen verdiene die Branche „blendend“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis der „Rheinischen Post“.
Besonders pikant ist der Teilrückzug von Eli Lilly. Der US-Pharmariese wollte eigentlich im rheinland-pfälzischen Alzey 2,3 Milliarden Euro investieren und eines der größten Werke weltweit bauen. Eingefädelt wurde die Milliarden-Investition noch von der Ampel-Regierung und Warkens Vorgänger Karl Lauterbach (SPD). Angeblich auf Wunsch von Eli Lilly wurden im Gegenzug Geheimpreise für neue Medikamente gesetzlich ermöglicht. Zwar wurde ein solcher Hinterzimmer-Deal offiziell dementiert, aber das Gesetz spöttisch als „Lex Lilly“ tituliert. Eli Lilly nutzte dann auch als erstes Unternehmen die Option der Geheimpreise für sein Abnehm- und Diabetesmittel Mounjaro.
Umso überraschender kommt der Rückzieher. Eli Lilly werde seine Investitionen in Alzey halbieren und das geplante Werk 2027 vorerst nur mit reduzierter Kapazität starten, kündigte Konzernchef Dave Ricks im „Handelsblatt“ an. Er nannte die Sparpläne ein „schreckliches Signal an die Industrie“. Ähnlich äußerte sich Boehringer Ingelheim. Der deutsche Konzern will laut Zeitung geplante Neuinvestitionen für die Jahre 2027 bis 2030 von über 900 Millionen Euro stoppen. Er verwies auf die wachsende Attraktivität etwa der USA und Asiens.
Stoff-Ahnis widersprach den Klagen. Die GKV-Ausgaben für Arzneimittel hätten sich von 2012 bis 2025 auf 59 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Besonders bei patentgeschützten Mitteln liefen die Preise davon. Hier seien die Kosten für eine Tagesdosis sogar um 182 Prozent hochgeschnellt. Das bestätigen Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Danach verschlingen wenige, hochpreisige Arzneien immer mehr GKV-Gelder. 2024 hätten patentgeschützte Mittel zwar 54 Prozent der Gesamtkosten verursacht, aber nur sieben Prozent der Verordnungen ausgemacht. Stoff-Ahnis hält daher Preisbremsen für zwingend: „Der Preisanstieg für Arzneimittel muss wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden, denn solche Preissteigerungen hält kein Gesundheitssystem der Welt aus.“ (cm)
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