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Bayern will pflegende Angehörige stärker entlasten

07.09.2026 2 Min. Lesedauer

Angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger will Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach Pflegeangebote weiter ausbauen. Da der Großteil der Betroffenen zu Hause gepflegt werde, gelte es heute die richtigen Weichen zu stellen und die Pflege vor Ort weiter zu stärken, sagte die CSU-Politikerin. „Dazu gehört für mich, pflegende Angehörige zu unterstützen und ihnen Entlastung im Alltag zu ermöglichen.“ Bayern setze sich deshalb für mehr Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflegeplätze ein. Der Deutsche Pflegerat (DPR) erwartet die „wirkliche Pflegewelle“ ab 2031.

Mit Blick auf die Pflegereform begrüßte Gerlach, dass Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) auf Kürzungen bei den Rentenansprüchen für pflegende Angehörige verzichten will. Positiv wertete die CSU-Politikerin zudem das Vorhaben der Bundesregierung, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch eine stärkere fachliche Begleitung zu unterstützen. „Auch ist es wichtig, für unvorhergesehene Situationen bessere Überbrückungsmöglichkeiten zu schaffen“, betonte Gerlach anlässlich des morgigen Tages der pflegenden Angehörigen. Diese dürften bei Fragen und Sorgen nicht alleingelassen werden. Deutschlandweit werden mehr als 80 Prozent der rund sechs Millionen Pflegebedürftigen zu Hause betreut.

Bei den Reformanstrengungen der schwarz-roten Koalition vermisst Pflegerats-Chefin Christine Vogler „eine echte Strukturdebatte“. Es gehe der Politik weiterhin nur darum, das bestehende System aufrechtzuerhalten, kritisierte sie gegenüber der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA). Dass die Bundesregierung die Pflege durch Angehörige vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft begrüße, bezeichnete sie als „Teil einer Vogel-Strauß-Mentalität“. Die Realität werde ausgeblendet. 

Mit zunehmender Lebenserwartung steige auch die Pflegebedürftigkeit. Gleichzeitig sinke das Arbeitskräftepotenzial. Wenn die Babyboomer ab 2031 in Rente gingen, wird es Voglers Einschätzung nach „unglaublich viele Familien geben, die für ihre Angehörigen keinen Heimplatz bekommen, die keine ambulante Versorgungsstruktur haben, und zwar in ganzen Regionen. Heute haben wir Einzelfälle“. Sie forderte dazu auf, über Versorgungsstrukturen nachzudenken. Essenziell sei es, versicherungsfremde Leistungen aus der Pflegeversicherung herauszunehmen wie etwa Ausbildungskosten.

Eine Kabinettsbefassung mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) steht nach wie vor aus. Zu den Plänen, den Zugang zu Pflegeleistungen zu erschweren, ergab jüngst eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), dass dies nicht die erhofften Spareffekte bringt. (imo)

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