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Zahlungsrückstände gefährden Liquidität von Pflegeheimen

15.06.2026 3 Min. Lesedauer

Viele Pflegeheime in Deutschland kämpfen mit Liquiditätsproblemen. Jedes Fünfte hat offene Forderungen von mindestens 100.000 Euro, wie aus einer Studie der Beratungsfirma PWC hervorgeht. Vor allem Sozialämter zahlen laut Untersuchung oft erst nach Monaten. Die geplante Pflegereform könnte den finanziellen Druck auf die Heime weiter verstärken. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte im „Hamburger Abendblatt“ ihr Vorhaben. Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, äußerte Bedenken gegenüber dem Plan, erwachsene Kinder stärker an den Pflegekosten zu beteiligen.

Der Studie zufolge machten 55 Prozent der Heime die Sozialämter für ihre höchsten Außenstände verantwortlich, 25 Prozent der Häuser nannten Bewohner und Angehörige und 20 Prozent die Pflegekassen. Das Sozialamt stelle „eines der größten Liquiditätsrisiken dar“, schreiben  die Autoren der Studie. Als Ursachen sehen sie „unklare Zuständigkeiten, unvollständige Antragsunterlagen für Sozialhilfe und Bearbeitungszeiten von teilweise sechs bis zwölf Monaten und darüber hinaus“. Offene Forderungen seien kein Randphänomen, sondern „mittlerweile ein grundlegendes Merkmal des operativen Alltags“. Um die Liquidität zu verbessern, müssten Pflegeheime aktiv ihre Forderungen geltend machen und dazu die bürokratischen Prozesse umfassend digitalisieren.

Ministerin Warken verwies auf das erwartete Defizit der sozialen Pflegeversicherung (SPV), das „im kommenden Jahr über 7,5 Milliarden Euro und 2028 bereits mehr als 15 Milliarden“ betragen werde. Mit über sieben Milliarden Euro hätten sich die Zuschläge der Pflegekassen für Heimbewohner „zwischen 2022 und 2025 verdoppelt“. Im Zuge der geplanten Pflegereform würden höhere Zuschüsse nun „erst etwas später“ gewährt, führte Warken aus. Auch nach dieser geplanten Änderung beteilige sich die SPV immer noch deutlich stärker an den Pflegekosten, als es vor 2022 der Fall gewesen sei. Dem Entwurf Warkens zufolge sollen die höheren Entlastungsstufen, die nach der Aufenthaltsdauer im Pflegeheim gestaffelt sind, künftig jeweils sechs Monate später einsetzen. 

Auch die Pflegebevollmächtigte unterstrich die Handlungsnotwendigkeit. „Mit Klein-Klein“ komme man nicht weiter, sagte Staffler dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). Allein in den nächsten beiden Jahren müssten mehr als 20 Milliarden Euro eingespart werden, um die SPV zu stabilisieren. Die CSU-Politikerin äußerte Bedenken gegenüber dem Vorhaben von Warken, Kinder stärker an den Pflegekosten zu beteiligen, wenn ältere Pflegebedürftige auf Sozialhilfe angewiesen sind. Bislang ist dies erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro im Jahr der Fall. „Wir müssen anerkennen, dass die Kinder durch die Hilfebedürftigkeit ihrer Eltern ohnehin belastet werden“, argumentierte Staffler. Es gehe um eine faire Lastenverteilung. (at)

In Sachsen-Anhalt erproben AOK und Goitzsche-Klinikum ein Ambulant-Geriatrisches Zentrum, das ältere Menschen auffängt, bevor aus Unsicherheit Pflegebedürftigkeit wird. Das Ziel: dass sie möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können.
20.05.2026Frank Brunner8 Min