Verband schlägt Alarm – Mehr Pflegeplätze notwendig
Deutschland braucht nach Ansicht des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP) mehr Investitionen in den Pflegesektor. „Wir müssen bis 2040 zwei Millionen Menschen mehr versorgen“, sagte AGVP-Präsident Thomas Greiner heute in Berlin. Die Politik verdränge die massiven strukturellen Probleme der Branche. Bereits jetzt fehlten rund 60.000 Pflegeplätze im Jahr. Greiner verwies darauf, dass zwischen 1995 und 2010 in manchen Jahren bis zu 300 neue Pflegeheime eröffnet wurden. Inzwischen stagniere die Zahl der Pflegeplätze in Deutschland. Im Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) fänden sich keinerlei Impulse für Investitionen in die stationäre Pflege.
„Im politischen Berlin hat man bisher die Pflege immer ignoriert”, kritisierte AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz. Dabei sei Pflege in der Bevölkerung inzwischen ein Alltagsthema. Angesichts steigender Kosten und einem Mangel an Pflegeplätzen müssten Politiker die Probleme endlich ernst nehmen. Halletz rechnete vor, dass die Eigenanteile von Heimbewohnern seit 2018 „exorbitant“ um 76 Prozent gestiegen seien. Im ersten Jahr betrage die Zuzahlung pro Monat inzwischen im Schnitt 3.364 Euro. Dagegen liege die Durchschnittsrente nur bei 1.150 Euro monatlich.
„Aus der Pflegekrise darf keine Gesellschaftskrise werden“, warnte Greiner. Deutschland habe noch rund zehn Jahre, um die Pflegeinfrastruktur auf die „Babyboomerwelle” vorzubereiten. Daher brauche es eine pflegepolitische Wende. Pflege müsse wieder günstiger werden, die Eigenanteile müssten sinken und es müssten mehr Kapazitäten entstehen. „Die Uhr tickt!“ Der bisherige Entwurf zur Pflegereform liefere keine Antwort auf die Versorgungskrise, monierte der Verbandspräsident. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) müsse „den Neustart wagen“. „Wenn wir heute nicht entscheiden, wird morgen nicht gebaut“, so Greiner.
Angehörigenpflege allein sei kein Allheilmittel zur Behebung der Probleme. Gleichzeitig könne es nicht die Antwort auf die steigenden Eigenanteile sein, „die Rechnung immer nur weiterzureichen“, betonte Greiner. Unternehmen bräuchten mehr Spielraum, um neue Angebote für Pflege aufzubauen. Gleichzeitig müsse Bürokratie abgebaut und Personal besser und effizienter eingesetzt werden. So könnten mehr Menschen versorgt werden und die Kosten pro Platz sinken. Auch die Länder müssten Investitionen erleichtern, kostentreibende Bauvorschriften überprüfen und weniger Personalvorgaben machen.
Der Entwurf zur Pflegereform, der noch von Linnemanns Vorgängerin Nina Warken stammt, wurde bislang nicht vom Kabinett beraten. Unklar ist, ob der neue Minister noch Änderungen vornehmen wird. (at)
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.