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Organspende: neuer Anlauf für Widerspruchslösung

24.09.2026 2 Min. Lesedauer

In einer teils sehr emotional geführten Debatte hat sich der Bundestag heute erneut mit dem Thema Organspende befasst. „Jeder von uns kann morgen auf ein Spenderorgan angewiesen sein“, sagte die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar. „Wir reden hier über Menschen, die monatelang oder Jahre auf ein Organ warten.“ Zur Beratung standen drei fraktionsübergreifende Anträge, die das Ziel eint, die Zahl der Organspenden zu erhöhen – allerdings auf unterschiedlichen Wegen. Alle drei Anträge wurden an den Gesundheitsausschuss weitergeleitet. Laut Eurotransplant stehen 8.207 Menschen auf der Warteliste für ein Organ.

254 Abgeordnete unterstützen einen Antrag zur Einführung der sogenannten Widerspruchslösung, wonach jeder Erwachsene als Spender gilt, der zu Lebzeiten einer Organspende nicht widersprochen hat. Der zweite Antrag will die seit 1997 geltende Entscheidungslösung beibehalten, wonach der Spender zu Lebenszeiten aktiv einwilligen muss, aber durch mehr Aufklärung und Kampagnen erreichen, dass die Zahl der Spender steigt. Die Gegner der Widerspruchsregelung setzen auf eine Weiterentwicklung der geltenden Entscheidungsregelung. Die 58 Abgeordneten fordern in dem Antrag, dass künftig alle Bürger zeitnah nach ihrem 18. Geburtstag sich zu ihrer Organspendebereitschaft äußern und ihren Willen dokumentieren sollen. 

Dittmar verteidigte die Widerspruchslösung. „Wir schaffen keinen Zwang“, versicherte sie. Jeder Mensch könne Nein sagen. Eine Spende bleibe freiwillig. Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), der als Berichterstatter für den Bundesrat sprach, warb für die Widerspruchslösung. „Wir sind nicht vorangekommen“, klagte der CDU-Politiker. Alle neuen Ideen für mehr Aufklärung hätten keine Verbesserung gebracht. Im vergangenen Jahr habe es in Deutschland 985 Spender gegeben. Gleichzeitig seien über 600 Menschen gestorben, weil sie kein Organ erhalten hätten. Der Bundesrat hatte 2025 mit großer Mehrheit eine Initiative zur Einführung der Widerspruchslösung angenommen.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem“, sagte der SPD-Abgeordnete und Patientenbeauftragte der Regierung, Stefan Schwartze. Er führe nun diese Grundsatzdebatte im Bundestag zum vierten Mal. „Geändert hat sich nichts an den Zahlen.“ Deutschland beziehe Organe aus Ländern, die eine Widerspruchslösung hätten. „Geben wir den über 8.000 Menschen auf den Wartelisten eine Chance.“

Für die Entscheidungslösung setzte sich dagegen der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann ein. „Aus Schweigen darf nicht automatisch Zustimmung werden“, argumentierte er. Auch der CDU-Parlamentarier Michael Brand warb für die geltende Regelung. Eine Widerspruchslösung schaffe bei Millionen Menschen Misstrauen. (at)

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