Präventionskonferenz fordert mehr Einsatz für mentale Gesundheit
Angesichts einer steigenden Zahl psychischer Erkrankungen mahnt die Nationale Präventionskonferenz (NPK) zu mehr Engagement für die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. In einem heute veröffentlichten Positionspapier fordern die beteiligten Verbände und Organisationen ein besseres Zusammenspiel von Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Gesundheitspolitik. „Lange Fehlzeiten, zunehmende Einsamkeit und eine hohe Zahl von Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen müssen uns alarmieren“, sagte der amtierende NPK-Vorsitzende Stephan Fasshauer.
„Arbeit ist ein wichtiger Faktor für die psychische Gesundheit, und die psychische Gesundheit ist ein wichtiger Faktor für die Arbeit“, betont die NPK in ihrem Papier. Lange Ausfallzeiten und Erwerbsminderung durch psychische Krankheiten seien eine zentrale Herausforderung für die Arbeitswelt. So habe es 2024 rund 147,3 Millionen krankheitsbedingte Fehltage durch psychische Erkrankungen gegeben. Inzwischen seien 42 Prozent der Erwerbsminderungsrenten auf entsprechende Erkrankungen zurückzuführen.
Die NPK fordert deshalb, „Prävention und Gesundheitsförderung systematisch in Betriebe zu integrieren und Arbeitsschutz, betriebliche Gesundheitsförderung und betriebliches Eingliederungsmanagement strukturell miteinander zu verzahnen“. Dazu müssten vor allem kleinere und mittlere Unternehmen bei der Gefährdungsbeurteilung durch effizientere und digitalere Verfahren sowie finanzielle Anreize und Steuervorteile unterstützt werden.
Um Erwerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern, müsse die psychische Gesundheit fester Bestandteil der Qualifizierung von Führungs-, Fach- und Personalverantwortlichen werden, stellt die NPK fest. Zudem sollte das Thema mentale Gesundheit bereits in Ausbildung und Studium eine größere Rolle spielen. Für diese Ziele setzt sich auch die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) in einer aktuellen Kampagne ein.
Nach neuen Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen zwischen 2016 und 2025 um 42 Prozent gestiegen. 2025 fielen betroffene Beschäftigte im Schnitt 28,5 Tage je Fall aus – fast dreimal so lang wie im Durchschnitt aller Krankheiten (10,4 Tage). Das WIdO rechnet „angesichts einer zunehmend angespannten wirtschaftlichen Situation in Deutschland“ mit zunehmenden Sorgen und psychischen Belastungen der Beschäftigten.
Die NPK wurde 2015 als Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Unfall- und Rentenversicherung gegründet, um eine nationale Präventionsstrategie zu entwickeln und voranzutreiben. Seit 2017 ist auch die private Krankenversicherung einbezogen. (toro)
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