Bundestag beschließt Monitoring von Gentest für Schwangere
Der Bundestag will die Nutzung des vorgeburtlichen Bluttests in der Schwangerschaft genauer in Augenschein nehmen. Das Parlament beschloss am Donnerstagabend ein Monitoring für den sogenannten nicht-invasiven Pränataltest (NIPT), der seit Juli 2022 gesetzliche Kassenleistung ist. Die Abgeordneten einigten sich noch kurz vor Start der Debatte auf Änderungen zu einem entsprechenden Gruppenantrag, der schließlich mit 527 Stimmen angenommen wurde. 18 Parlamentarier stimmten mit Nein und 23 enthielten sich. Wie bei ethischen Fragen üblich, gab es keinen Fraktionszwang. Mit dem NIPT kann die Wahrscheinlichkeit für Trisomie 13, 18 und 21 (Down-Syndrom) beim ungeborenen Kind bestimmt werden.
„Das war hartes Ringen in den letzten Stunden, das war hartes Ringen in den letzten Minuten“, beschrieb die Grünen-Politikerin Paula Piechotta den Prozess. Der „auf den letzten Metern“ gefundene Kompromiss sei ein Beleg dafür, dass das Parlament sich auch bei schwierigen bioethischen Fragen einigen könne.
Die SPD-Gesundheitspolitikerin Dagmar Schmidt stellte klar, es gehe in der Abstimmung „nicht um die Kassenzulassung des Bluttests“, sondern um dessen Anwendung. Der Gemeinsame Bundesausschuss habe diesen Test nicht als Routineuntersuchung oder Screening für alle Schwangeren zugelassen. Ein Leben mit Trisomie 21 könne „ein sehr schönes und erfülltes Leben sein“. Die „regelhafte Anwendung“ des Tests signalisiere jedoch, dass Menschen mit Trisomie 21 nicht willkommen seien. „Und das darf nicht sein“, betonte Schmidt.
„Auch medizinischer Fortschritt braucht ethische Leitplanken“, stellte der CSU-Abgeordnete Stephan Pilsinger fest. Durchschnittlich würden 50 Prozent aller Schwangeren den Test in Anspruch nehmen. Auch bei sehr jungen Schwangeren sei der Anteil hoch, obwohl diese Gruppe kein erhöhtes Trisomie-Risiko habe. „Das ist eine Fehlentwicklung, deren Ursache wir beleuchten müssen.“ Dazu brauche es Daten.
Die CSU-Politikerin Katrin Staffler verwies auf ihre eigene Erfahrung. Sie wisse, mit welchen Belastungen ein solcher Test verbunden sein könne. „Aus Vorfreude wird Angst.“ Die werdenden Eltern befänden sich wochenlang „zwischen Hoffen und Bangen“. „Wir brauchen klare Rahmenbedingungen und bestmögliche Begleitung und Beratung für die werdenden Eltern“, forderte Staffler, die Pflegebevollmächtigte der Regierung ist. Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe hatte zuvor kritisiert, der NIPT sei zur Regeluntersuchung in der Schwangerschaft geworden. Menschen mit Down-Syndrom und ihre Angehörigen fühlten sich dadurch diskriminiert. (at)
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