Medizinfakes: Ärztegewerkschaft nimmt Social Media in die Pflicht
Der Marburger Bund (MB) fordert stärkere Pflichten für Betreiber sozialer Internet-Plattformen im Umgang mit medizinischer Desinformation. Diese könne Patientinnen und Patienten bewusst täuschen und ihre Gesundheit gefährden, sagte die Vorsitzende Susanne Johna im Vorfeld der zweitätigen Hauptversammlung ab Freitag in Berlin. Das Treffen steht unter dem Leitthema „Zwischen Evidenz und Empörung – Medizin braucht Fakten“. Social-Media-Plattformen müssten besser prüfen, wer entsprechende Inhalte einstellt und ob es sich um verlässliche Informationen handele, so Johna. Zudem bedürfe es wirksamer Strafen.
Die Medizinerin verwies darauf, wie schnell sich Desinformationen über soziale Medien verbreiten, während die Richtigstellung deutlich länger dauere. „Desinformation ist aber eben bewusste Ausnutzung, letztlich auch von Ängsten von Patienten“, unterstrich Johna. Besonders problematisch seien Deepfake-Videos, in denen vermeintlich bekannte Ärztinnen und Ärzte falsche medizinische Empfehlungen gäben. Patientinnen und Patienten könnten dadurch verleitet werden, wirksame Medikamente wegzulassen oder Therapien abzubrechen. Betroffene müssten sich derzeit selbst darum kümmern, entsprechende Inhalte zu melden und deren Entfernung anzustoßen. Selbst wenn Betreiber sie von der Plattform nähmen, seien sie oft bereits tausendfach geteilt.
Der MB setzt zugleich auf mehr Aufklärung und Gesundheitskompetenz. Zunächst müssten auch die Ärztinnen und Ärzte bei dem Thema mitgenommen werden, forderte Johna. Dies geschehe über den Marburger Bund, die Ärztekammern und die Bundesärztekammer. Außerdem müssten Patientinnen und Patienten mehr neutrale Informationen zur Verfügung gestellt werden, auch in verschiedenen Sprachen und in einfacher Sprache. Das Thema Desinformation im Zusammenhang mit sozialen Medien gehöre zudem in die Schulen. Auch im Arzt-Patienten-Gespräch bedeute Desinformation zusätzlichen Aufwand. „Das kann man nicht in einer Minute mal eben erklären.“ Ärztinnen und Ärzte müssten sich Zeit nehmen, um Patientinnen und Patienten zu erklären, dass sie einer Desinformation aufgesessen seien. Es reiche nicht aus, eine falsche Information lediglich zurückzuweisen oder auf eine Leitlinie zu verweisen. (ts)
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