Studie belegt Versorgungslücke bei Mangelernährung
Mangelernährung bleibt in deutschen Kliniken häufig unerkannt und unbehandelt. Untersuchungen zeigen, dass rund jeder dritte Patient betroffen ist. Dokumentiert wird die Diagnose aber nur bei gut einem Prozent. Das geht aus einer aktuellen Auswertung von Krankenkassendaten der Jahre 2017 bis 2024 hervor, die das „Internationale Ärzteblatt“ heute veröffentlicht hat. Beteiligt waren das Universitätsklinikum Würzburg, das Institut für Angewandte Gesundheitsforschung (InGef) Berlin und die Medizinische Hochschule Hannover.
Demnach wurde bei 1,16 bis 1,30 Prozent der stationär behandelten Patientinnen und Patienten eine Mangelernährung diagnostiziert. Von diesen erhielten lediglich 2,77 bis 4,45 Prozent eine dokumentierte Ernährungstherapie, bei der Nährstoffe über eine Sonde oder direkt über eine Infusion verabreicht wurden. Nicht erfasst wurden Therapien über normale Lebensmittel oder spezielle Trinknahrung, da dafür keine entsprechenden Abrechnungscodes existieren.
Die Sterblichkeit bei Patientinnen und Patienten mit dokumentierter Mangelernährung war rund doppelt so hoch. Innerhalb eines Jahres starben 31,7 Prozent, in der Vergleichsgruppe 16,3 Prozent. Auch erneute Krankenhausaufnahmen waren häufiger. Mangelernährung war der Erhebung zufolge außerdem mit höheren Gesundheitskosten verbunden. Diese lagen im Schnitt bei 18.052 Euro und damit knapp 4.400 Euro über denen der Vergleichsgruppe. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich deshalb für strukturierte Ernährungsscreenings und klare Versorgungswege in den Kliniken aus.
Hier soll künftig auch eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) ansetzen. Bis Ende 2027 soll das Gremium Vorgaben zur Prävention und Therapie von Mangelernährung erarbeiten. Darin soll unter anderem geregelt werden, wie Fehlernährung erkannt und behandelt wird und welches Personal dafür notwendig ist. Der Tübinger Ernährungsmediziner Michael Adolph sagte heute im „Deutschlandfunk“, er erwarte, dass die Richtlinie nicht beim Screening stehen bleibe, sondern einen vollständigen Versorgungspfad beschreibe. Die Ernährungsmedizinerin Kristina Norman von der Charité Berlin verwies auf Hürden in der Praxis. Dazu gehörten vor allem Zeitmangel durch eine hohe Dokumentationslast, unzureichende Schulungen und die geringe Priorisierung von Ernährungsfragen gegenüber anderen medizinischen Problemen. (ts)
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