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Studie sieht 60 Prozent der Kliniken 2027 in den roten Zahlen

25.06.2026 3 Min. Lesedauer

Die geplanten Sparmaßnahmen im stationären Bereich könnten einem Bericht zufolge die Situation der Kliniken in Deutschland im kommenden Jahr deutlich verschlechtern. Der Anteil der defizitären Häuser dürfte auf 60 Prozent steigen, prognostiziert der „Krankenhaus Rating Report 2026“. „Bis zum Jahr 2030 rechnen wir bei rund 70 Prozent der Kliniken mit einem Jahresverlust“, sagte Studienautor Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bei der Vorstellung der Studie. Um eine bundesweite Pleitewelle abzuwenden, müssten die Krankenhäuser ihre Betriebskosten senken. Die Politik müsse Leitplanken setzen, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz stehen im nächsten Jahr erhebliche Erlöseinbußen der Krankenhäuser an“, betonte Augurzky. Um die Verluste durch das von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ausgearbeitete Sparpaket abzufangen, müssten die Kliniken bis 2030 rund 8,5 Prozent an Vollzeitstellen außerhalb der Pflege abbauen. Der größte Abbau müsse im kommenden Jahr stattfinden. Um auf diese wirtschaftlichen Herausforderungen reagieren zu können, benötigten die Kliniken mehr Gestaltungsfreiheit. Alternativ müssten Standorte mit hohen Betriebskosten schließen. 

Laut Report sind 400 Klinikstandorte mittelfristig in ihrer Existenz gefährdet. Besonders Häuser auf dem Lande und in öffentlich-rechtlicher Hand seien von Insolvenz bedroht. Kliniken in privater und freigemeinnütziger Trägerschaft schneiden den Angaben nach im Rating deutlich besser ab. Die Autoren gehen davon aus, dass 22 Prozent der kommunalen Kliniken einen Träger mit einer so hohen Schuldenlast haben, dass sie ihren Betrieb auf Dauer kaum fortführen können.

Der Report verweist auf die volkswirtschaftliche Gesamtlage. Die Wirtschaftskraft stagniere seit 2019, die Finanzen der Krankenkassen und der Krankenhäuser stünden stark unter Druck. Es bedürfe daher einer Rückbesinnung auf Standards der 2010er Jahre. Die Autoren schlagen vor, den Fokus im Krankenhausbetrieb stärker auf Ergebnisorientierung anstatt auf Struktur- und Prozessvorgaben wie bundesweit einheitliche Pflegepersonaluntergrenzen auf Abteilungsebene zu legen. Gleichzeitig müsse der Bürokratieabbau konsequent verfolgt werden. Als Beispiele nennt der Report das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und das Anerkennungsverfahren für internationale Talente aus Drittstaaten. Als Datengrundlage wertet der Report 555 Jahresabschlüsse von 864 Krankenhäusern in Deutschland aus. 

Nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeichnen die Zahlen „ein alarmierendes Bild“. „Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist bereits heute vielerorts existenzbedrohend. Mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird sich diese Entwicklung weiter drastisch verschärfen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß. Die Folgen wären ein kalter Strukturwandel, die Schließung von bis zu 400 Krankenhäusern, ein erheblicher Personalabbau in den verbleibenden Kliniken und spürbare Verschlechterungen der Erreichbarkeit im ländlichen Raum. „Besonders besorgniserregend“ sei, dass zahlreiche besonders versorgungsrelevante Kliniken mit Notfallstufe 3 betroffen wären. (at)

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