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Nur ein Bruchteil der Kinder bewegt sich ausreichend

15.09.2026 3 Min. Lesedauer

Fast neun von zehn Kindern und Jugendlichen erreichen nicht die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Das ist ein zentrales Ergebnis des AOK-Kindergesundheitsatlas 2026, für den 5.000 Eltern aus dem Raum Rheinland und Hamburg befragt wurden. Die WHO rät Drei- bis 17-Jährigen zu mindestens einer Stunde körperlicher Aktivität am Tag. Daneben überschreitet der AOK-Erhebung nach rund jedes fünfte Kind die empfohlene Bildschirmzeit in sozialen Medien. Bei jedem zehnten Kind gehören schon von klein auf große Mengen Zucker zum Alltag.

Der intensive Zeitvertreib mit sozialen Medien hat Folgen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. 36 Prozent der Eltern beobachteten laut Erhebung bei einer täglichen Nutzung von mindestens drei Stunden multiple psychosomatische Beschwerden bei ihrem Nachwuchs. Bei Kindern, die keine sozialen Medien nutzen, waren es nur 18 Prozent. „Wenngleich Ursache und Wirkung schwer auseinanderzuhalten sind, zeigen die Zahlen, dass die Nutzung von Bildschirmmedien immer im Zusammenhang mit Störungen von Wohlbefinden und reduzierten gesundheitsfördernden Aktivitäten gesehen werden muss“, sagte der Kölner Kinderarzt Jörg Dötsch bei der Vorstellung des AOK-Kindergesundheitsatlas heute.

Als ebenso problematisch erweist sich das Ernährungsverhalten. Zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen konsumieren täglich bereits ab dem ersten Lebensjahr mindestens zwei zuckerhaltige Lebensmittel oder Getränke. Dabei unterschätzen selbst gut informierte Eltern laut Befragung den versteckten Zuckergehalt in Produkten. Elf Prozent der Kinder sind laut Body-Mass-Index (BMI) adipös.

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Ernährungsmedizinerin und Sportwissenschaftlerin Christine Joisten nannte den Zuckerkonsum „bedenklich“, wies aber darauf hin, Ernährung und Bewegung nicht gegeneinander aufzurechnen. Denn auch ein aktives Kind könne einen dauerhaft hohen Zuckerkonsum nicht einfach „wegbewegen“ und eine ausgewogene Ernährung ersetze wiederum keine Bewegung. Entscheidend sind laut Joisten früh erlernte Gewohnheiten und Lebenswelten, in denen die gesündere Wahl zur leichteren Wahl wird. „Dafür brauchen Familien verständliche Informationen, alltagstaugliche Unterstützung und verlässliche gesundheitsfördernde Strukturen in Kitas, Schulen, Vereinen und Kommunen.“

Obwohl viele Eltern die Gesundheit ihrer Kinder laut der AOK-Analyse als gut bis sehr gut einschätzen, haben ihren Angaben nach 55 Prozent des Nachwuchses mindestens eine diagnostizierte oder vermutete chronische Erkrankung. Im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung 2024 haben Krankheitsvermutungen stärker zugenommen als die tatsächlichen Diagnosen. Das gilt vor allem für ADHS, hier stieg der Anteil um sieben Prozent. (imo)