Viele Minderjährige halten Chatbot für besten Freund
Fast acht Prozent der zehn- bis 17-Jährigen in Deutschland nutzen laut einer Studie KI-Chatbots gegen ihre Einsamkeit. Bei Jugendlichen mit depressiver Symptomatik sind es sogar mehr als 30 Prozent, wie eine Studie von DAK-Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt. Für ein Drittel von ihnen ist ein Chatbot wie ein vertrauter Freund, ebenso viele fühlen sich von der KI-Anwendung besser verstanden als von einem Menschen.
Die Analyse zeigt auch die Relevanz von KI-Chatbots bei den Minderjährigen: Mehr als jeder Vierte nutzt KI-Anwendungen mehrmals pro Woche. Ab dem Alter von 15 Jahren verwenden sie mehr als die Hälfte mindestens wöchentlich, wobei der am weitesten verbreitete KI-Chatbot mit 87,7 Prozent ChatGPT ist. Die Mediensucht bleibt entsprechend auf hohem Niveau. So zeigt jedes vierte Kind eine riskante Social-Media-Nutzung oder Abhängigkeit. Insgesamt sind hochgerechnet rund 1,5 Millionen junge Menschen betroffen.
Die Erhebung zeige die neue Qualität digitaler Medien, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Umso wichtiger sei ein frühzeitiges Vermitteln von Medienkompetenz in der Schule. Kerstin Paschke, Studienleiterin und ärztliche Leiterin des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am UKE, warnte vor einer „Entwicklung parasozialer Beziehungsmuster“. „Durch die Imitation menschlicher Kommunikation und die häufig bestätigenden Reaktionen sollen intensive Nutzungsmuster gefördert werden“, erläuterte die Wissenschaftlerin. Hierdurch könnten junge Menschen eine emotionale Bindung zum Chatbot entwickeln, die mit größeren psychischen Belastungen einhergehe und problematische Nutzungsmuster begünstigen könne.
Aus Sicht des Kinder- und Jugendschutzes seien eine stärkere Regulierung, eine unabhängige Aufsicht und eine altersgerechte Gestaltung dieser Systeme notwendig, führte Paschke weiter aus. Storm begrüßte die breite Debatte über Social-Media-Risiken und forderte „eine rasche gesetzliche Regelung bis zur Sommerpause“. Laut Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, zeigen die Ergebnisse, wie dynamisch sich die Medienwelt von Kindern und Jugendlichen verändert hat. Die Nutzung digitaler Medien sei ein komplexes gesellschaftliches Thema, das sich allerdings nicht allein durch Altersgrenzen lösen lasse. (bhu)
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