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Kassenwechsel bleibt in Deutschland die Ausnahme

01.07.2026 2 Min. Lesedauer

Ein Wechsel der Krankenkasse ist in Deutschland eher selten. Gut vier von fünf gesetzlich Versicherten bleiben ihrer Kasse grundsätzlich treu. Das zeigt der heute von der Unternehmensberatung McKinsey veröffentlichte „GKV-Check-up 2026“. Entscheidend ist laut der Befragung die Balance aus Beitrag, Leistung und Service. Bei der Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland wächst die Unzufriedenheit: 37 Prozent der Versicherten bewerten diese negativ. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2020.

Der Markt der gesetzlichen Krankenkassen bleibt laut der Befragung unter rund 4.000 Personen, darunter knapp 3.600 GKV-Versicherte, trotz steigender Beiträge und wachsender Ansprüche stabil. 83 Prozent der GKV-Versicherten haben ihre Kasse in den vergangenen fünf Jahren nicht gewechselt. Die Wechselabsicht ist den Angaben zufolge sogar leicht gesunken: 10,1 Prozent halten einen Wechsel binnen zwölf Monaten für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, nach 12,4 Prozent im Jahr 2023 und 13,3 Prozent im Jahr 2020.

Wer wechselt, entscheidet sich dafür der Studie zufolge vor allem aus Preisgründen. Bei der Wahl einer neuen Krankenkasse bewerten 57 Prozent der Wechsler den Beitragssatz als besonders wichtig. Unter allen Versicherten sind es 49 Prozent. Nur 21 Prozent dieser Wechslergruppe kennen den eigenen Beitragssatz nicht; unter allen Versicherten sind es der Studie zufolge 40 Prozent. „Trotz wachsender Unzufriedenheit mit der allgemeinen Gesundheitsversorgung halten die Menschen ihrer Krankenkasse in hohem Maße die Treue“, sagte Stephanie Schiegnitz, Mitherausgeberin der Studie. Schiegnitz zufolge sind wechselaffine Versicherte für Kassen eine besonders interessante Zielgruppe, weil neben dem Beitragssatz auch Leistungen und Kundenservice relevante Differenzierungsfaktoren seien.

Die Studie verweist zugleich auf veränderte Erwartungen an den Kontakt mit der Kasse. Die App hat sich bei konkreten Leistungsanliegen als wichtigster digitaler Zugang etabliert: 57 Prozent nutzen sie häufig oder gelegentlich. Das Telefon bleibt mit 51 Prozent aber nahezu gleichauf und wird vor allem bei komplexeren oder sensiblen Fragen genutzt. Website beziehungsweise Portal kommen auf 44 Prozent, E-Mail auf 43 Prozent.

Für McKinsey ergibt sich daraus ein hybrider Ansatz. Standardanliegen sollten möglichst digital und perspektivisch stärker KI-gestützt bearbeitet werden, während persönliche Beratung dort eingesetzt werde, wo fachliche Kompetenz den größten Mehrwert stifte. Florian Niedermann, Senior Partner bei McKinsey, sagte, der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz eröffne den Kassen die Chance, Versicherte „nicht nur effizienter, sondern auch persönlicher anzusprechen“. (fb)

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