RKI: Hitzewelle belastete Notaufnahmen stark
Deutlich mehr Menschen als sonst haben während der Hitzewelle Ende Juni Hilfe in einer Notaufnahme gesucht. Das zeigt eine erstmals veröffentlichte Auswertung von Daten des Notaufnahmeregisters des Robert-Koch-Instituts (RKI). In der Woche vom 22. bis 28. Juni seien „neben Temperaturen auch die hitzeassoziierten Notaufnahmevorstellungen deutlich gestiegen“, schreibt die Behörde in einem Beitrag im sozialen Netzwerk Bluesky. Der Anteil der Patientinnen und Patienten war demnach teils sechsmal so hoch wie üblicherweise.
Während des Wochenendes mit historischen Höchsttemperaturen von mehr als 40 Grad schoss die Zahl der Hitzefälle im Register auf Basis von 36 Notaufnahmen am 27. und 28. Juni in die Höhe. Der relative Anteil dieser Patientinnen und Patienten an allen Notaufnahmefällen lag schlagartig bei 6,3 beziehungsweise 6,4 Prozent. Unter gewöhnlichen Umständen beträgt der Anteil hitzebedingter Fälle ein bis 1,2 Prozent. Ein Jahr zuvor – Anfang Juli 2025 mit extremen Temperaturen zwischen 35 und 39 Grad – lag der Wert bei 3,04 Prozent. Das Register verarbeitet Routinedaten aus freiwillig teilnehmenden Notaufnahmen und ist damit nicht repräsentativ. Seit 2022 werden hitzebedingte Fälle wie etwa Sonnenbrand oder Kreislaufprobleme erfasst.
Im Zuge der extremen Hitzewelle erhöhten sich auch die Sterbefallzahlen in Deutschland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lagen die Todesfälle um 32 Prozent über dem mittleren Wert der vier Vorjahre. In der historischen Hitzewoche starben laut Destatis etwa 23.900 Menschen. Das waren etwa 7.100 Sterbefälle mehr als noch zwei Wochen zuvor. „Dass im Zusammenhang mit Hitze die gesundheitliche Belastung hoch ist und in Folge auch die Sterbefallzahlen ansteigen, ist ein bekannter Effekt, der in Sommermonaten bereits häufiger beobachtet wurde“, so Destatis.
In einer abschließenden Bilanz bestätigte der Deutsche Wetterdienst (DWD) die historisch hohen Temperaturen im Juni. Die Zustände hierzulande seien nun wie im Mittelmeerraum. Insbesondere bei der Tagesdurchschnittstemperatur habe Deutschland inzwischen zu Frankreich oder Spanien aufgeschlossen und sehe sich „ab sofort sehr ähnlichen Herausforderungen bei der Klimaanpassung, insbesondere beim Hitzeschutz, ausgesetzt“, so der DWD.
Nach dem heißen Wochenende waren die Rufe nach staatlicher Unterstützung beim Hitzeschutz lauter geworden. Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis forderte etwa Gelder aus dem Sondervermögen für Klimaanlagen, Dämmung und begrünte Fassaden in Krankenhäusern und Pflegeheimen. 500 Milliarden Euro investiert der Bund in Infrastruktur und Klimaneutralität. Konkrete Pläne der Bundesregierung für mehr Hitzeschutz gibt es bisher aber nicht. (imo)
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