Hitze schlägt fast jedem dritten Deutschen auf die Gesundheit
Etwa ein Drittel der Bevölkerung hat bei extremer Hitze gesundheitliche Probleme. Das ergab eine heute veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK. Frauen haben demnach fast doppelt so oft Beschwerden wie Schlaf- oder Kreislaufprobleme wie Männer. Deutliche Kritik gibt es aus der Bevölkerung an der Politik mit Blick auf den Hitzeschutz: Drei Viertel halten die aktuellen Maßnahmen für nicht ausreichend. Auch Ärzteorganisationen fordern ein „entschlossenes Handeln zum Schutz der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels“. Die Bundesregierung beschäftige das Thema sehr, versicherte ein Regierungssprecher in Berlin.
Laut DAK-Umfrage macht sich ein Anteil von 40 Prozent der Bevölkerung große Sorgen, mehr als jede und jeder Fünfte sogar sehr große Sorgen (22 Prozent) über die heißen Temperaturen. Nach Einschätzung der Befragten ist vor allem der Bereich Pflege mit 86 Prozent von Hitze betroffen. Ebenso wird die Situation bei Krankenhäusern und in der Kinderbetreuung als problematisch gesehen. Angesichts der Ergebnisse müsse der Hitzeschutz „gerade für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder verbessert werden“, forderte DAK-Vorstandschef Andreas Storm.
Die deutschsprachigen Ärzteorganisationen verliehen ihren Hitzeschutz-Forderungen am Wochenende Nachdruck. Sie sehen in den gesundheitlichen Folgen der Klimakrise „eine der zentralen Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung der Zukunft“. Die Gesundheitssysteme müssten jetzt konsequent auf die Entwicklungen vorbereitet und klimaresilient gemacht werden. Dazu gehörten wirksame Hitzeschutzmaßnahmen für Patientinnen und Patienten und Beschäftigte sowie eine bessere Vorbereitung auf klimabedingte Gesundheitsrisiken. Die Organisationen appellierten an die politisch Verantwortlichen, die notwendigen strukturellen, personellen und finanziellen Voraussetzungen „unverzüglich zu schaffen.“
Hitzeschutz sei ein Thema, „was uns sehr, sehr umtreibt“, sagte ein Sprecher der Bundesregierung. Hierzu werde es weitere Gespräche innerhalb der Regierung „auch über konkrete Vorschläge“ geben. Das Thema sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Deswegen unterstützen wir die zuständigen Länder und Kommunen eben auch dabei“, sagte der Sprecher weiter. Die Kommunen hatten ihrerseits Bund und die Länder aufgefordert, mehr Mittel für den Hitzeschutz in den Städten und Gemeinden zur Verfügung zu stellen.
Neueste Erkenntnisse gehen von mehr als 10.000 Hitzetoten in Europa durch die Extremwetterlage Ende Juni aus. Die meisten waren laut dem Netzwerk EuroMOMO, das Daten zur Übersterblichkeit erhebt, älter als 65 Jahre. Es sei schwierig, “diesen hohen Wert mit etwas anderem als der extremen Hitze zu erklären“, sagte Lasse Vestergaard vom dänischen Statens Serum Institut, bei dem das Netzwerk EuroMOMO angesiedelt ist, der Nachrichtenagentur Reuters. (imo)
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