Herzbericht: Viel Luft nach oben bei der Prävention
Die Herzgesundheit bleibt angesichts des demografischen Wandels ein Problemfall in Deutschland. Zwar ist die Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt weiter gesunken. Gleichzeitig blieb sie bei Herzrhythmusstörungen nahezu konstant, bei Herzklappenerkrankungen stieg sie. „Prävention bleibt der wichtigste Hebel zur Prognoseverbesserung“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Voigtländer, heute bei der Vorstellung des „Deutschen Herzberichts – Update 2026“ in Berlin.
Im Fokus des Berichts stehen Herzrhythmusstörungen. Rund 1,6 Millionen Menschen leben mit Vorhofflimmern, einer der häufigsten Formen. Sie kann unbemerkt bleiben und das Schlaganfallrisiko erhöhen. „Je älter wir werden, desto häufiger tritt die Erkrankung auf", erläuterte Voigtländer. Das Gros der behandlungsbedürftigen Patienten sei ab dem 65. Lebensjahr zu finden". Dem Experten zufolge dürfte sich in drei Jahrzehnten die Zahl der Vorhofflimmerpatienten verdoppeln.
Stefan Blankenberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), bezeichnete Vorhofflimmern als „eine Erkrankung unserer Gesellschaft“. Präzisere Verfahren und neue Leitlinien führen dazu, dass Katheterablationen früher und häufiger eingesetzt werden. Die Zahl der Eingriffe stieg von 2019 bis 2024 um 101 Prozent, bei Vorhofflimmern um 78 Prozent.
Die „Risikofaktoreneinstellung in Deutschland“ sei jedoch weiterhin „alles andere als optimal“, sagte Blankenberg. Voigtländer verwies auf den Public Health Index von AOK-Bundesverband und Deutschem Krebsforschungszentrum: Bei Maßnahmen gegen Tabak, Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel belegt Deutschland Rang 17 von 18 Staaten. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte der Vorstandsvorsitzende.
Auch Eike Langheim, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR), plädierte dafür, die Risikofaktoren stärker anzugehen. Das könne gut in einer Reha geschehen. Rund 360.000 stationären Aufnahmen wegen Vorhofflimmerns und -flatterns stehen jedoch derzeit nur etwa 5.900 Rehabilitanden gegenüber.
Wie hoch die Belastung insgesamt ist, zeigen allgemeine Daten zur Herzgesundheit: Mehr als 1,65 Millionen Menschen wurden 2024 wegen Herzkrankheiten vollstationär behandelt, rund 205.000 sterben jährlich daran. 2023 verursachten Herz-Kreislauf-Erkrankungen Ausgaben von 64,6 Milliarden Euro und damit 13,1 Prozent der Krankheitskosten.
Auch die EU will noch stärker auf Prävention setzen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen dort jährlich rund 1,7 Millionen Todesfälle. 62 Millionen Menschen leben damit, fast 13 Millionen Fälle kommen jährlich hinzu. Das Europäische Parlament wollte daher heute über Empfehlungen für eine EU-Strategie beraten, die an den „Safe Hearts Plan“ der EU-Kommission zu Prävention, Früherkennung, Behandlung und Versorgung anknüpft. (sr)
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