Update

Schätzerkreis-Prognose: Kassen zeigen sich vorsichtig optimistisch

15.10.2026 2 Min. Lesedauer

Die großen Krankenkassenverbände haben grundsätzlich positiv auf die Prognose des GKV-Schätzerkreises zur Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vom Mittwoch reagiert, warnten jedoch auch vor neuen Belastungen. Laut des beim Bundesamt für soziale Sicherung angesiedelten Expertengremiums muss der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur GKV von derzeit 2,9 Prozent 2027 nicht erhöht werden. AOK-Bundesverbandsvize Jens Martin Hoyer sprach von einer „guten Nachricht“, nannte die Stabilisierung aber auch eine „Daueraufgabe“. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) wertete das Ergebnis als Erfolg. Die Linke sprach dagegen von einer „Mogelpackung“.

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag würde somit erstmals seit 2022 nicht steigen. Für 2027 rechnet der Schätzerkreis mit GKV-Ausgaben von rund 378 Milliarden Euro und Einnahmen von 320,7 Milliarden Euro. Laut Hoyer war dafür ein „gesetzgeberischer Kraftakt“ nötig, der Leistungserbringern, Versicherten und Arbeitgebern einiges abverlangt habe. Ohne die Anstrengungen hätte der rechnerische Zusatzbeitragssatz von 2,9 auf 3,9 Prozent steigen müssen. Ob die Einsparungen 2027 ganzjährig wirkten, bleibe offen.

Die Kassenverbände insgesamt forderten weitere Anstrengungen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen. Der Sparkurs müsse „konsequent weiterverfolgt“ werden, mahnte GKV-Spitzenverbands-Chef Oliver Blatt. Das Sparpaket sei „knapp bemessen“, warnte die Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen, Ulrike Elsner. Finanzielle Zugeständnisse an Pharmaunternehmen, Kliniken, Psychotherapeuten sowie Haus- und Kinderärzte müssten gegenfinanziert werden. Die geplante Pharma-Standortklausel könnte die GKV mit bis zu 1,3 Milliarden Euro belasten. Einige Kassen müssten zudem ihre Rücklagen auffüllen. Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen, rief die Regierung auf, „standhaft“ zu bleiben. 

Illustration von einer Maschine, die den Morbi-RSA darstellen soll
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist Ausdruck gelebter Solidarität. Wie das Gleichgewicht gehalten wird und warum es ohne den Morbi-RSA nicht geht, das erfahren Sie in unserem digitalen Format G+G Story.
19.12.20242 Min

„Wir haben unser wichtigstes Ziel erreicht“, erklärte Bundesgesundheitsminister Linnemann. Auch der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, sprach von einem „ausgesprochen ermutigenden Signal“. Trotz eines gestiegenen Konsolidierungsbedarfs sei der Anteil der von den Versicherten unmittelbar zu tragenden Konsolidierungsmaßnahmen von 26 auf perspektivisch rund 14 Prozent gesunken. Linken-Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar kritisierte, die Stabilität sei „teuer erkauft“ – auf Kosten der Versicherten und Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Bis zum 1. November muss Linnemann nun entscheiden, ob er der Empfehlung des Schätzerkreises folgt. Für die Krankenkassen ist der durchschnittliche Zusatzbeitrag ein Orientierungswert. Über die kassenindividuellen Zusatzbeiträge entscheiden ihre Verwaltungsräte im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen. (sr)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.