Gesundheitsausgaben steigen schneller als die Wirtschaftsleistungen
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (Bip) hält mit den Gesundheitsausgaben kaum noch Schritt. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) übertrifft die Steigerungsrate bei den Ausgaben für Behandlungen, Therapien und andere Gesundheitsleistungen bereits seit einigen Jahren den Veränderungswert der im Bip erfassten Wirtschaftsleistungen. Destatis legte heute erstmals preisbereinigte Daten vor. Danach lagen die Gesundheitsausgaben nach Herausrechnen der Inflation 3,9 Prozent über dem Vorjahreswert, während das Bip um 0,5 Prozent schrumpfte.
Nominal – also in jeweiligen Preisen unter Einrechnung der Teuerung – stiegen die Gesundheitsausgaben 2024 gegenüber 2023 um 7,6 Prozent auf 538,2 Milliarden Euro. Als Ursache für den Anstieg nannte Destatis unter anderem die mit einer alternden Gesellschaft einhergehende wachsende und weitgehend konjunkturunabhängige Inanspruchnahme von Gesundheitswaren und -dienstleistungen.
Laut Statistikbehörde kam es in den Jahren 2020 und 2021 durch die Corona-Pandemie nachfragebedingt zu starken Anstiegen der preisbereinigten Gesundheitsausgaben (plus 5,9 Prozent und plus 7,1 Prozent). Als Folge der Energiekrise seien die Ausgaben dann 2023 erstmals seit 2004 wieder zurückgegangen (minus 4,0 Prozent). Die Gesundheitsausgabenrechnung misst nach Angaben von Destatis „die Ausgaben für den letzten Verbrauch von Waren und Dienstleistungen im Gesundheitswesen sowie die Investitionen“.
In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) setzt sich der Aufwärtstrend bei den Ausgaben fort. Nach Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) stiegen sie 2024 und 2025 um jeweils rund 7,8 Prozent und damit deutlich stärker als die Beitragseinnahmen mit rund 5,3 Prozent. 2025 standen Einnahmen von 355,9 Milliarden Euro Ausgaben im Umfang von 352,4 Milliarden gegenüber. In den ersten drei Monaten dieses Jahres stiegen die GKV-Ausgaben nach vorläufigen BMG-Zahlen um rund 7,6 Prozent, die Beitragseinnahmen lediglich um 4,1 Prozent.
Nach Berechnungen der Finanzkommission Gesundheit und unter Berücksichtigung der Ausgabenentwicklung im ersten Quartal liegt die Finanzierungslücke 2027 bei rund 19 Milliarden Euro und könnte bis 2030 auf rund 44 Milliarden Euro anwachsen. Mit dem am 10. Juli von Bundestag und Bundesrat verabschiedeten, heftig umstrittenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gegensteuern. Das Gesetz solle „endlich die Grundlage für stabile Finanzen in der gesetzlichen Krankenversicherung“ schaffen, indem die Ausgabendynamik begrenzt und wieder in Einklang mit Einnahmen gebracht werde. (bhu)
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