EU will Zahl der Herz-Kreislauf-Toten verringern
Im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als häufigste Todesursache in Europa dringt die EU-Kommission auf wirksame Maßnahmen. Ziel sei es, mittels Gesundheitschecks in den Mitgliedsstaaten die Früherkennung zu verbessern und so vorzeitige Todesfälle zu verringern, betonte die Kommission. Herz-Kreislauf-Erkrankungen forderten in Europa „jedes Jahr rund 1,7 Millionen Menschenleben. Dabei könnten fast 80 Prozent der vorzeitigen Todesfälle durch Prävention und Früherkennung verhindert werden“, schreibt der EU-Kommissar für Gesundheit, Olivér Várhelyi, heute in einem Gastbeitrag für das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND). Er fordert darin mehr Investitionen in Prävention.
Der Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte laut EU durch die Bekämpfung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Cholesterin, Blutzucker und Fettleibigkeit vermieden werden. Bis 2035 will die EU Todesfälle aufgrund dessen um 25 Prozent reduzieren. Die Empfehlung der EU-Kommission an den Rat, Herzchecks in den Mitgliedsstaaten zu etablieren, sei dafür ein „wichtiger Schritt“, heißt es in einer Mitteilung. Vorsorgeuntersuchungen sollten für alle zugänglich sein und Risikogruppen besonders in den Blick genommen werden.
Die EU-Kommission hob zudem die Relevanz von Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung hervor. Um das Bewusstsein für Herzgesundheit zu schärfen, startete erstmals EU-weit anlässlich des heutigen Weltherztages eine Screening-Woche. Denn nach EU-Angaben verfügen derzeit weniger als die Hälfte der Mitgliedsstaaten über Programme für Herz-Kreislauf-Checks. Die Umsetzung der Angebote variiere dabei deutlich.
Konkret empfiehlt die EU-Kommission für unter 35-Jährige mindestens einen Check mit Messungen des Blutdrucks sowie der Blutzucker- und Cholesterinwerte. Erwachsene im Alter von 35 bis 64 sollten sich mindestens alle fünf Jahre testen lassen. Über 65-Jährigen wird alle drei bis fünf Jahre ein Check angeraten.
Der EU-Gesundheitskommissar unterstreicht in seinem Beitrag die Dringlichkeit, gegen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Leiden vorzugehen: „Wenn wir jetzt nicht handeln, wird sich die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis 2050 gegenüber heute verdoppeln.“ Denn häufig wüssten die Betroffenen nicht um ihre Gesundheitsprobleme. Várhelyi mahnt eine deutliche Kursänderung der Gesundheitssysteme an. Derzeit gäben die EU-Staaten nur drei Prozent ihrer Gesundheitsausgaben für Prävention aus.
In Deutschland sehen Verbände ebenfalls dringenden Nachholbedarf in punkto Vorsorge. Der Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigte jüngst auf, dass materiell und sozial Benachteiligte häufiger an Herzschwäche leiden. Präventionsmaßnahmen müssten daher gezielter erfolgen. (imo)
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