UN-Bericht prognostiziert Erderwärmung auf 2,8 Grad
Die Erde steuert den Vereinten Nationen (UN) zufolge auf eine Erwärmung von 2,8 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu. Werde die aktuelle Politik fortgesetzt, sei es zu 66 Prozent wahrscheinlich, dass die Erwärmung bis 2100 auf diesen Wert steige, warnt der heute veröffentlichte „Emissions Gap Report“ des UN-Umweltprogramms (Unep). Die Chance, die 1,5-Grad-Emissionslücke mit „keiner oder nur geringer“ Überschreitung zu schließen, sei vertan. Jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 Grad erhöhe das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände, wie sie in diesem Jahr viele Länder bereits erlebt hätten.
Das Unep ermittelt in seinem Bericht alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen und den Werten, die für das Erreichen der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 notwendig wären. Als Hauptziel wurde eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad (möglichst 1,5 Grad) formuliert.
Eine geringe Überschreitung des 1,5-Grad-Ziels, bei der die maximale Erwärmung bis etwa Mitte des Jahrhunderts auf 1,7 bis 1,8 Grad steigt und bis 2100 wieder auf oder unter 1,5 Grad sinkt, ist laut UN nur zu etwa 50 Prozent wahrscheinlich. Dazu müssten die Treibhausgasemissionen im Vergleich bis 2030 im Vergleich zu 2025 um 18 Prozent reduziert werden, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent. Die aktuell angekündigten Klimaschutzmaßnahmen würden die Emissionen bis 2030 allerdings nur um fünf bis acht Prozent und bis 2035 um elf bis 15 Prozent reduzieren, heißt es im Bericht.
Vergangenes Jahr war die Unep in ihrem Bericht noch von einer Erderwärmung um 2,3 bis 2,5 Grad ausgegangen. Die Verschlechterung liege vor allem an den USA, die sich von vorherigen Klimaschutzplänen verabschiedet hätten, erläuterte die UN-Organiation.
Das 1,5-Grad-Ziel gilt zwar noch nicht offiziell als gerissen, da dafür die Grenze langfristig überschritten werden müsste. Doch der EU-Klimawandeldienst Copernicus sieht für den Zeitraum von 2023 bis 2025 erstmals eine durchschnittliche Erwärmung innerhalb eines Dreijahreszeitraums von mehr als 1,5 Grad. Darüber hinaus war der Sommer 2026 laut Copernicus in Westeuropa so heiß und trocken wie nie zuvor – mit erheblichen Folgen für die Gesundheit. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Zahl hitzebedingter Todesfälle in Deutschland in diesem Sommer auf mehr als 16.000 Sterbefälle – fast doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2018 mit 8.900 registrierten Fällen.
Aus Sicht der Bundesärztekammer hätten viele dieser Todesfälle durch verbindliche Schutzpläne und ein besseres Krisenmanagement vermieden werden können. Der Deutsche Städtetag fordert deshalb, den Hitzeschutz und die Klimaanpassung als dauerhafte Gemeinschaftsaufgabe rechtlich im Grundgesetz zu verankern. Entsprechende Initiativen, etwa von den Grünen, wurden im Bundestag jedoch abgelehnt.
Europa ist nach Angaben von Wissenschaftlern der Kontinent, der sich infolge des globalen Klimawandels am schnellsten erwärmt. (bhu)
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