Erneut mehr Drogentote – immer mehr junge Menschen sterben
Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ist 2025 erneut gestiegen. 2.150 Menschen starben nach Angaben des Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streeck, an den Folgen des Drogenkonsums. Besonders junge Menschen seien betroffen: Die Zahl der unter 20-jährigen Drogentoten habe sich seit 2021 auf 106 nahezu verdoppelt, die der unter 30-Jährigen sei um 52,6 Prozent auf 528 gestiegen. Es falle auf, dass junge Drogentote vor allem Medikamente genommen hätten. Am Konsum unter anderem von Kokain und Crack seien 769 Menschen gestorben, mehr als doppelt so viele wie 2021. Die Antwort darauf laute „mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht“, sagte der CDU-Politiker heute anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen.
„Junge Menschen mischen Medikamente, Alkohol und andere Substanzen, oft ohne die tödlichen Risiken der Kombinationen zu kennen“, erläuterte Streeck. Mehr als vier von fünf Drogentoten starben dem Bericht zufolge nach der Einnahme mehrerer Substanzen gleichzeitig. Benzodiazepine, opioidhaltige Schmerzmittel und andere psychoaktive Arzneimittel spielten „überdurchschnittlich häufig eine Rolle“, wenngleich sie in der Regel nicht alleine todesursächlich seien. Viele junge Menschen konsumierten aus psychischer Belastung, aus Neugier oder Übermut und mischten Substanzen. Darauf müssten Bundesregierung und Suchthilfe entschlossen reagieren. Deutschlands gutes Suchthilfesystem dürfe nicht kaputtgespart werden, mahnte der Bundesdrogenbeauftragte.
Auch der Konsum synthetischer Opioide breitet sich den Angaben zufolge weiter aus. Bei Fentanyl wurden 118 Todesfälle registriert, über 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung spiegele das weltweite Geschehen wider, wie es der Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen und der Europäische Drogenbericht aufzeigten. Gleichzeitig veränderten sich die Drogenmärkte rasant: Neue psychoaktive Stoffe, immer potentere Substanzen und digitale Vertriebswege erhöhten die Risiken. „Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt“, warnte Streeck. Besorgniserregend seien zudem neue Erkenntnisse aus der Suchthilfe und dem Drug Checking: „Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden wie Nitazenen versetzt sind.“
Ein Netzwerk verschiedener Verbände fordert nun tiefgreifende Maßnahmen und schlägt einen Fünf-Punkte-Plan vor. Neben der Stärkung kommunaler Frühwarnsysteme fordern sie ein flächendeckendes Drug-Checking, den Ausbau von Drogenkonsumräumen und den Ausbau von Substitution. Außerdem solle das Notfallmedikament Naloxon niedrigschwellig für Ersthelfer zugänglich gemacht werden. (ter)
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