Jugendliche trinken weniger Alkohol – Aber keine Entwarnung
Jugendliche und junge Erwachsene trinken seltener Alkohol als bisher, Rauschtrinken bleibt aber unter jungen Männern gängige Praxis. Das zeigt die aktuelle Drogenaffinitätsstudie, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (Biög) heute veröffentlicht hat. Demnach hat sich vor allem das Verhalten junger Frauen verändert. Im Vergleich zur vorherigen Befragung konsumierten weniger von ihnen Alkohol und hielten sich auch beim Rauschtrinken stärker zurück. „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung“, sagte der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck. Es wäre jedoch falsch, „daraus Entwarnung abzuleiten“.
Zu den positiven Befunden der Studie zählen die Autoren, dass das Einstiegsalter für Alkohol deutlich gestiegen ist. Während im Jahr 2001 fast 90 Prozent aller jungen Menschen zwischen zwölf und 17 Jahren bereits alkoholische Getränke probiert hatten – 88,3 der Jungen und 85,5 Prozent der Mädchen –, berichten heute nur noch zwei von drei Jugendlichen dieser Altersgruppe von solchen Erfahrungenl. Der Trend zeigt sich auch beim regelmäßigen Konsum. Unter den Teenagern hatten 2004 noch 58,4 Prozent berichtet, in den vergangenen 30 Tagen Alkoholika konsumiert zu haben. Der Wert sank zuletzt auf 32,9 Prozent, unter jungen Erwachsenen von 84,4 Prozent (2004) auf 69,3 Prozent. Auf einem historischen Tiefstand liegt sogar der wöchentliche Alkoholgenuss.
Knapp 15 Prozent aller Jugendlichen gaben allerdings an, im vergangenen Monat gelegentlich größere Mengen, also vier oder fünf Gläser Alkohol getrunken zu haben. Während die Geschlechterunterschiede im Teenageralter hierbei fast keine Rolle spielen, legen junge Frauen zwischen 17 und 25 andere Trinkgewohnheiten an den Tag, die in der aktuellen Befragung noch deutlicher hervortreten als bisher: Während 2023 noch fast jede dritte Befragte berichtet hatte, im Monat vor der Befragung mehr als vier Gläser Alkohol getrunken zu haben, so war es 2025 nur noch jede vierte. „Bei Jugendlichen und jungen Männern bleibt riskanter Alkoholkonsum dagegen weiterhin ein Thema“, sagte Biög-Chef Johannes Nießen.
Die Studie zeigt Nießen zufolge, dass Prävention wirkt, aber nicht bei allen jungen Menschen gleichermaßen. Streeck bezeichnete die vom Kabinett auf den Weg gebrachte Abschaffung des „begleiteten Trinkens“ ab 14 Jahren vor diesem Hintergrund als „überfälligen Schritt“: „Alkohol trifft junge Menschen in einer Lebensphase, in der sich Gehirn und Körper noch entwickeln. Deshalb müssen unsere Regeln zu dem passen, was wir heute über diese Risiken wissen.“ Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD), zurzeit Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, sagte, aus medizinischer Sicht müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, dass Alkohol ein Nervengift sei. (asc)
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