Digitalgesetz: Reimann erwartet „Sprunginnovation“
Der AOK-Bundesverband setzt große Hoffnungen in das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG). „Von der einheitlichen Ersteinschätzung akuter medizinischer Probleme über die Nutzung der elektronischen Überweisung bis zur Möglichkeit der direkten Buchung eines Behandlungstermins kann in den ePA-Apps der Kassen künftig die gesamte Versorgungskette digital abgebildet werden“, sagte die Vorstandsvorsitzende Carola Reimann anlässlich der morgigen Anhörung im Bundestags-Gesundheitsausschuss.
Mit dem geplanten Gesetz will die Regierung die Digitalisierung der Versorgung vorantreiben. Besonders wichtig ist ihr, die Grundlagen für ein modernes Primärversorgungssystem mit den drei Elementen digitale Bedarfseinschätzung, digitale Terminbuchung und elektronische Überweisung zu schaffen. Dieser Dreiklang soll künftig ermöglichen, Patientinnen und Patienten direkt und je nach Behandlungsdringlichkeit in die passende Versorgungsebene zu steuern. Die elektronische Patientenakte (ePA) dient dabei als zentraler Dreh- und Angelpunkt. Ein Konzept für die Primärversorgungsreform soll im Herbst vorgelegt werden.
Mit dem GeDIG wird erstmals ein verbindlicher Rahmen für die Einführung einer strukturierten digitalen Bedarfseinschätzung geschaffen. „Wenn diese Elemente handwerklich gut umgesetzt werden, kann das Ergebnis zu einer echten Sprunginnovation für das deutsche Gesundheitswesen werden“, zeigte sich Reimann überzeugt. „Voraussetzung für das Gelingen ist allerdings, dass neben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auch die gesetzlichen Krankenkassen angemessen an der technischen Umsetzung beteiligt werden.“
Darüber hinaus sollen Kassen für Präventionsangebote künftig eigene Gesundheitsdaten erheben und auf mehr Versichertendaten als bisher zugreifen dürfen – auch in der ePA. Reimann begrüßte die geplanten Erweiterungen, um Versicherte gezielt auf bestimmte gesundheitliche Risiken oder Präventionsthemen wie Impfungen anzusprechen. Die bisherigen Möglichkeiten der Kassen zeigten jetzt schon beachtliche Erfolge, zum Beispiel bei der Steigerung von HPV-Impfquoten.
Auch der Verband der Ersatzkassen (Vdek) hat große Erwartungen an das Gesetz, das vergangene Woche in erster Lesung im Bundestag beraten wurde. Es bereite „die Grundlage für den dringend benötigten digitalen Push der Gesundheitsversorgung in Deutschland“, sagte Verbandschefin Ulrike Elsner.
Kritisch sieht der AOK-Bundesverband die Schaffung zusätzlicher Abrechnungsverfahren für Sachleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Mit Blick auf die geplante Erweiterung der Funktionen sollten Anwendungen mit direktem Versichertenbezug auch künftig von den Kassen bereitgestellt, im Wettbewerb weiterentwickelt und nicht zentral von der Digitalagentur Gematik vorgegeben werden. (bhu)
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