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Die Desinfektionsschutz-Krise ist vorerst abgesagt

24.02.2026 2 Min. Lesedauer

Im Gesundheitswesen droht erst einmal kein Engpass bei Desinfektionsmitteln. Die EU-Chemikalienagentur (Echa) erhebt keine Einwände gegen die Zulassung von Ethanol in Hand- und Allgemeindesinfektionsmitteln. Laut der heute veröffentlichten Entscheidung äußerte sich der zuständige Ausschuss für Biozid-Produkte allerdings noch nicht dazu, ob Ethylalkohol generell als krebserregend oder reproduktionstoxisch einzustufen ist.

Neben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hatten auch die Krankenkassen, Medizinprodukte-Hersteller und Pharmaverbände vor erheblichen Problemen beim Infektionsschutz durch ein mögliches Verbot ethanolhaltiger Desinfektionsmittel gewarnt. Hintergrund ist eine Neuklassifizierung aller vor 2013 in der EU auf den Markt gekommenen Biozide. Sie werden daraufhin überprüft, ob sie Krebs verursachen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzung gefährden könnten (CMR-Gefahrstoffe).

„Ich halte es für völlig absurd, Ethanol für medizinische Anwendungen zu verbieten“, sagte der Arzt und CDU-Europapolitiker Peter Liese G+G im Vorfeld der Echa-Entscheidung. „Jeder Erwachsene kann sich legal im Supermarkt Unmengen von Schnaps kaufen und sich damit zu Tode saufen. Da kann es doch nicht sein, dass wir Ethanol bei Desinfektionsmitteln oder anderen wichtigen Anwendungen verbieten.“

Ganz vom EU-Tisch ist das Ethanol-Thema jedoch noch nicht. Laut Echa-Ausschuss konnte die „eindeutige Gefahrenbewertung“ wegen unvollständiger und unzureichender Studienunterlagen noch nicht abgeschlossen werden. Das Abwarten neuer Studien zur Bestimmung karzinogener oder reproduktionstoxischer Eigenschaften könne das offizielle Zulassungsverfahren erheblich verzögern. Zudem liegt eine endgültige Entscheidung bei der EU-Kommission. Mit dem Votum zugunsten der Verwendung von Ethanol in Produkten für die menschliche Hygiene und Desinfektionsmitteln, für Algizide, die nicht für den direkten Kontakt mit Menschen oder Tieren bestimmt sind, sowie in Produkten für den Einsatz in der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie hat das Fachgremium die Situation jedoch erst einmal deutlich entschärft. (toro)

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