Bevölkerung schrumpft – Pflegebedarf wächst
Deutschlands Bevölkerung wird bis 2045 voraussichtlich auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken. Zugleich vergrößern sich vor allem in Ostdeutschland die Unterschiede zwischen den Regionen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Prognose, für die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und die Wüstenrot Stiftung alle 400 Kreise und kreisfreien Städte untersucht haben. „Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, ob Deutschland wächst oder schrumpft, sondern wo“, sagte Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts, heute bei der Vorstellung der Ergebnisse. Eine Politik nach einem einheitlichen Muster werde den unterschiedlichen Entwicklungen nicht gerecht. Derzeit leben hierzulande laut Statistischem Bundesamt etwa 83,3 Millionen Menschen.
Gut zwei Drittel der Kreise und kreisfreien Städte verlieren der Erhebung nach Einwohner. 184 Regionen, die zwischen 2014 und 2024 noch gewachsen sind, schrumpfen. Besonders in Ostdeutschland sind die Unterschiede zwischen den Regionen laut Studie seit 2019 größer geworden. Während einzelne Städte und Kreise weiter wachsen, liegen 42 der 50 Regionen mit den stärksten prognostizierten Bevölkerungsverlusten im Osten.
Hinzu kommt die Alterung der Bevölkerung. Damit steigt laut Berlin-Institut zugleich der Bedarf an Versorgung und Pflege. „Es gibt weniger Menschen im Erwerbsalter. Es gibt dann aufgrund der stärkeren Alterung einen steigenden Pflegebedarf“, machte Hinz deutlich. Laut Studie dürfte die Zahl der Menschen über 79 Jahre bis 2045 von rund sechs auf 7,6 Millionen steigen. Zugleich könnte der Bedarf an Beschäftigten in der Pflege von rund 1,7 Millionen im Jahr 2024 auf etwa zwei Millionen im Jahr 2044 zunehmen.
Auch auf die Rentenversicherung wirkt sich die Alterung laut Studie aus. 1990 finanzierten im Durchschnitt noch 2,8 Beitragszahlende eine Altersrente, seit Beginn der 2000er Jahre sind es rund zwei. „Die Politik wird den Bevölkerungsrückgang in vielen Regionen nicht aufhalten können. Aber sie kann und muss ihn gestalten“, sagt Manuel Slupina, Leiter des Themengebiets Stadt und Land der Wüstenrot Stiftung. Dafür brauche es neue Formen der Daseinsvorsorge und Lösungen, die zu den Regionen passten.
Bis Mitte der 2030er Jahre wechseln laut Prognose besonders viele Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Deutlich kleinere Generationen rücken nach. Bis 2045 dürfte die Bevölkerung im Erwerbsalter bundesweit um 4,7 Prozent sinken. „Weniger Menschen im Erwerbsalter bedeuten nicht automatisch weniger Beschäftigte“, ordnete Frederick Sixtus, Projektkoordinator Demografie Deutschland am Berlin-Institut, die Entwicklung ein. Wirtschaftlich erfolgreiche Regionen brächten Ältere und Menschen ohne deutschen Pass häufiger in Beschäftigung. „Gerade wenn Arbeitskräfte knapper werden, macht das einen Unterschied.“ (ts)
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