Ärzteschaft fordert Präventionsstrategie
Die deutschen Mediziner haben auf dem 130. Ärztetag vor den Gefahren von Alkohol, Tabak und anderen gesundheitsschädlichen Substanzen gewarnt und von der Politik mehr Schutzmaßnahmen gefordert. Deutschland sei bei Alkohol immer noch ein „Hochkonsumland“, warnte der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen, Norbert Scherbaum, am zweiten Tag der Delegiertenversammlung in Hannover. Die Folgen von Alkoholkonsum seien ein „volkswirtschaftliches Desaster“ und lägen bei 60 Milliarden Euro. „Es ist dringend Zeit, dass in Deutschland mehr Verhältnisprävention betrieben wird“, so Scherbaum.
Der Suchtexperte betonte, dass es zwar Fortschritte in Bezug auf die Suchtmittelprävention gebe, wie etwa die geplante Abschaffung des begleiteten Trinkens. Dennoch fehle es bisher an einer „Gesamtstrategie“. Die Zuständigkeiten bei verhältnispräventiven Maßnahmen seien „zersplittert“.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), sprach sich beim Ärztetag dafür aus, Prävention zum zentralen Leitprinzip zu machen. „Wir müssen früher sehen, früher helfen und früher Verantwortung übernehmen.“ Derzeit verhindere jedoch die bestehende Finanzierungslogik genau diesen Ansatz. Statt Vorbeugung zu fördern, werde vor allem die Behandlung bereits manifestierter Erkrankungen honoriert. „Prävention ist politisch unbequem, weil ihre Erfolge leise sind“, gab Streeck zu Bedenken.
Susanne Johna, BÄK-Vizepräsidentin und Chefin des Marburger Bundes, betonte ebenfalls, dass in Bezug auf Primärprävention mehr getan werden müsse. Die geplante Einführung einer Zuckersteuer durch die Bundesregierung bezeichnete sie als „Erfolg für die Ärzte und für die Bevölkerung“. Laut Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt ist die Bevölkerung Maßnahmen wie Abgaben auf Alkohol oder Tabak gegenüber positiv eingestellt und sei der Politik damit voraus.
Erneut Thema bei dem Ärztetreffen war der Entwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes (BStabG), der Ende April vom Kabinett verabschiedet worden war und umfangreiche Sparmaßnahmen auch für die Leistungserbringer vorsieht. Reinhardt warnte, sollte sich das BStabG wie geplant im parlamentarischen Verfahren durchsetzen, könnte „manches an Komfort und Terminvergabe, was wir bisher gewohnt sind“, wegfallen. Als Beispiel nannte er etwa das Angebot von Abendsprechstunden. Von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erwarte er, dass es nun mehr Zeit für die Einbindung von Verbänden im parlamentarischen Verfahren gebe als beim Kabinettsbeschluss, bei dem den Verbänden nur eine knappe Frist von zwei Tagen zur Reaktion geblieben war. (tie)
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