Adipositas: DDG fordert Kostenübernahme für Abnehm-Medikamente
Für Adipositas-Patientinnen und -Parienten mit einem hohen gesundheitlichen Risiko sollten die Krankenkassen nach Ansicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) die Kosten für Medikamente zur Gewichtsreduktion übernehmen. Schließlich könnten Arzneimittel wie Semaglutid nicht nur das Gewicht senken, sondern böten Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, etwa nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, auch Schutz vor schweren Folgeerkrankungen, sagte die Diabetologin und Endokrinologin Susanne Reger-Tan heute anlässlich der DDG-Herbsttagung am 13. und 14. November. „Die Gewichtsabnahme ist Mittel zum Zweck. Entscheidend ist, wie die Behandlung den Stoffwechsel verbessert und Organe schützt“, erläuterte die Tagungspräsidentin.
Dass die Behandlung mehr bewirken könne als eine Gewichtsabnahme, zeigt Reger Tan zufolge die Select-Studie. Sie untersuchte den Wirkstoff Semaglutid bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, aber keinen Diabetes hatten. Über rund drei Jahre erlitten 6,5 Prozent der mit Semaglutid Behandelten einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder starben an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. In der Vergleichsgruppe mit einem Scheinmedikament waren es acht Prozent.
Der Ausschluss von Medikamenten zur Gewichtsregulation von der gesetzlichen Erstattung sei nicht hinnehmbar. „Der medizinische Bedarf muss über den Zugang zur Therapie entscheiden und sollte nicht von monetären Mitteln jedes beziehungsweise jeder Einzelnen abhängig sein“, betonte Reger-Tan. Medikamente sollten eine langfristige Therapie mit Ernährung, Bewegung und Unterstützung bei Verhaltensänderungen ergänzen.
Für eine umfassende Behandlung brauche es neben der Finanzierung auch verlässliche Versorgungsstrukturen. Obwohl die Krankenkassen seit Mitte 2024 für das strukturierte Behandlungsprogramm für Erwachsene mit Adipositas (DMP Adipositas) regionale Verträge schließen können, sei es bis Ende August 2026 in keinem Bundesland angeboten worden, beklagte Reger-Tan.
Die Vorsitzende der DDG-Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie, Sandra Schlüter, sprach sich für klare Strukturen bei der Adipositas-Behandlung aus. Bei Bedarf sollten spezialisierte Praxen und Zentren einbezogen werden. „Es muss klar sein, wer die Behandlung koordiniert und die nächsten Schritte mit den Betroffenen bespricht. Dafür brauchen die Teams ausreichend Zeit für Beratung und eine gesicherte Finanzierung“, erläuterte sie. (ter)
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