Lange Ausfälle treiben Kosten für Kassen und Arbeitsmarkt
Lange Krankschreibungen belasten die gesetzliche Krankenversicherung und den Arbeitsmarkt. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten (AU-Daten) für 2025 durch den Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK). „Es sind nicht die kurzen Erkältungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten. Es sind die langen, oft muskel-skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden“, sagte die Vorstandsvorsitzende des BKK-Dachverbandes, Anne-Kathrin Klemm.
Statistisch war 2025 jedes beschäftigte BKK-Mitglied 22,1 Tage arbeitsunfähig und bezog im Schnitt 6,8 Tage Krankengeld. Binnen zehn Jahren stieg die Zahl der Krankengeldtage je Beschäftigtem um 24,4 Prozent. Die Krankengeldausgaben erreichten 2025 laut Bundesgesundheitsministerium mit 21,6 Milliarden Euro einen Höchstwert. Als zentrale Treiber nennt der BKK-Dachverband psychische sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Psychische Erkrankungen machten zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, dauerten im Schnitt aber mehr als fünf Wochen. Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachten mehr als ein Fünftel aller Fehltage. Klemm forderte eine „ernsthafte Debatte“ über eine Präventionsstrategie bei psychischen Erkrankungen. „Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person.“
Die Auswertung fällt in die politische Debatte über strengere Regeln bei Krankmeldungen. Die Regierungskoalition von Union und SPD will die telefonische Krankschreibung abschaffen und eine AU-Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag zum Regelfall machen. Ärzte, Krankenkassen und Gewerkschaften hatten die Pläne zuletzt kritisiert. Es gebe keine belastbaren Belege dafür, dass die telefonische AU ursächlich für den Anstieg der Krankenstände sei.
Auch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hatte in seiner aktuellen Fehlzeiten-Bilanz auf lange Ausfallzeiten hingewiesen. Demnach fielen AOK-versicherte Beschäftigte im Schnitt 23,3 Tage im Jahr 2025 krankheitsbedingt aus. Das hohe Niveau seit 2022 erklärt das WIdO vor allem mit der elektronischen AU-Bescheinigung, durch die kurze Erkrankungen vollständiger erfasst würden. Erkrankungen von mehr als sechs Wochen machten demnach nur 3,3 Prozent der AU-Fälle aus, verursachten aber mehr als 40 Prozent der AU-Tage. Den größten Treiber für den Anstieg sieht auch das WIdO in psychischen Erkrankungen. Sie seien mit durchschnittlich 28,5 AU-Tagen je Fall mit den längsten Ausfallzeiten verbunden. (ts)
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