Bosch Health Campus: Gesunde Lebensjahre sollen Prävention leiten
Prävention sollte künftig stärker darauf ausgerichtet werden, mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen. Das fordert der Bosch Health Campus (BHC) in einem neuen Positionspapier. „Wir müssen den Erfolg unseres Gesundheitssystems stärker daran messen, was es für die Gesundheit der Menschen bewirkt, und nicht allein daran, wie viele Leistungen erbracht werden“, sagte Geschäftsführer Mark Dominik Alscher. Er fordert einen Perspektivwechsel „von der Behandlung von Krankheit hin zur systematischen Förderung von Gesundheit“.
Handlungsbedarf sieht der BHC angesichts hoher Gesundheitsaufwendungen und vergleichsweise weniger gesunder Lebensjahre: 2025 lagen die Gesundheitsausgaben nach vorläufigen Schätzungen bei knapp 580 Milliarden Euro. Laut Eurostat kamen Menschen in Deutschland 2024 auf durchschnittlich 62,4 gesunde Lebensjahre, im EU-Durchschnitt waren es 65,2 Jahre. Das deutsche Gesundheitssystem sei bei Anreizen, Finanzierung und Steuerung überwiegend auf die Behandlung von Krankheit ausgerichtet, Prävention weitgehend auf Krankheitsvermeidung reduziert.
Der BHC fordert daher den Wechsel zu einer gesundheitsorientierten Logik – mit Hilfe von fünf Hebeln: Gesundheitskompetenz und Unterstützung beim Erhalt der Gesundheit sollen über den gesamten Lebensverlauf gestärkt werden. Digitale Anwendungen und Künstliche Intelligenz sollen helfen, Risiken früh zu erkennen und Präventionsangebote individuell zuzuschneiden. Zudem brauche es eine multiprofessionelle Primärversorgung in Zusammenarbeit mit kommunalen Strukturen.
Auch Finanzierung und Vergütung müssten reformiert werden. Neben patientenrelevanten Ergebnissen sollten populationsbezogene Gesundheitsgewinne stärker berücksichtigt werden. „Wenn wir mehr gesunde Lebensjahre ermöglichen wollen, müssen wir Gesundheit zum gemeinsamen Ziel aller Akteure machen – über Sektorengrenzen und Ressortgrenzen hinweg“, sagte Alscher. Die im Juli 2026 gestartete Präventionsoffensive des Bundesgesundheitsministeriums sieht der BHC als „Chance für eine grundlegende Neuausrichtung“.
Vorgestellt werden soll das Papier heute bei einem Parlamentarischen Abend des BHC und der AOK Baden-Württemberg in Berlin. Deren Vorstandsvorsitzender Johannes Bauernfeind fordert, Krankenkassen stärker auf Prävention und frühzeitige Unterstützung der Versicherten auszurichten. „Krankenkassen dürfen dabei nicht länger nur Kosten verwalten, die entstehen, wenn es zu spät ist“, sagte Bauernfeind G+G. Sie müssten vermeidbare Bedarfe früher erkennen, passende Unterstützung organisieren und sich auf diese Weise „vom Kostenträger zum Begleiter“ entwickeln. „So entsteht, worum es eigentlich geht: mehr gesunde Lebensjahre.“ (sr)
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