Bei gut jedem fünften Hilfsmittel zahlen Versicherte drauf
In 22 Prozent der Versorgungsfälle mit einem Hilfsmittel haben gesetzlich Krankenversicherte im vergangenen Jahr im Schnitt rund 159 Euro aus dem eigenen Geldbeutel bezahlt. Das sind laut dem heute veröffentlichten Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV) zehn Euro beziehungsweise sieben Prozent mehr als noch 2024. Der Bericht zeigt aber auch, dass die Versorgung mit Hilfsmitteln in 78 Prozent der Fälle mehrkostenfrei erfolgte. Der GKV-SV verlangt mehr Transparenz, um Versicherten teure Extras zu ersparen.
Zu den Hilfsmitteln zählen etwa Rollatoren, Hörgeräte oder Schuheinlagen. Die freiwilligen Mehrkosten summierten sich dem Bericht zufolge 2025 auf rund 1,13 Milliarden Euro und lagen neun Prozent über dem Vorjahr. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Hilfsmittel stiegen demnach dagegen im gleichen Zeitraum nur um fünf Prozent auf 12,12 Milliarden Euro. „Alle Versicherten haben das Recht auf eine mehrkostenfreie Versorgung mit Hilfsmitteln“, betonte GKV-SV-Vorstandschef Oliver Blatt. Eine zusätzliche Kostenbeteiligung der Versicherten sei nur dann vorgesehen, wenn sie selbst bewusst höherwertige Leistungen wählten, die über das Maß des medizinisch Notwendigen hinausgingen. Blatt unterstrich dabei die Wichtigkeit der Beratung. „Versicherte müssen in jedem Fall genau wissen, welchen Leistungsanspruch sie haben und für welche medizinisch nicht notwendigen Extras sie zuzahlen müssen.“ Grundsätzlich sollten für Versicherte auch weiterhin keine Mehrkosten entstehen.
Der Spitzenverband forderte mehr Transparenz, um Versicherte vor teuren und unnötigen Alternativen zu schützen. Sanitätshäuser, Hörakustiker und alle anderen Leistungserbringenden seien gesetzlich verpflichtet, Versicherten zunächst ein mehrkostenfreies Hilfsmittel anzubieten, bevor sie über eine Versorgung mit Mehrkosten beraten, unterstrich der GKV-SV. Leistungserbringer sollten daher den Krankenkassen mitteilen, warum Versicherte Hilfsmittel auswählen, die von der Regelversorgung abweichen und zu zusätzlichen Kosten führen. Ziel sei es, langfristig ungerechtfertigte Mehrkosten zu verringern.
Für den Bericht wertete der Spitzenverband Daten zu 31,9 Millionen Hilfsmittelversorgungen aus dem Jahr 2025 aus. In 77,7 Prozent der Fälle erhielten Versicherte ihre Hilfsmittel ohne Mehrkosten. In rund 7,1 Millionen Fällen oder 22,3 Prozent der Versorgungen entschieden sie sich dagegen für eine höherwertige Versorgung und zahlten den Aufpreis selbst.
Hilfsmittel unterstützen in der Regel eine Behandlung, beugen einer Behinderung vor oder sollen diese im Alltag ausgleichen. Gewöhnlicherweise werden sie ärztlich verordnet. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für das medizinisch notwendige und gleichzeitig wirtschaftlichste Hilfsmittel. Die Versicherten werden mit einer Zuzahlung von mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro beteiligt. Für besondere Wünsche, etwa aus Gründen der Ästhetik oder des Komforts, müssen die Versicherten selbst aufkommen. (at)