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Kassen-Chef fordert striktere Regeln für die Notfallaufnahme

27.10.2026 2 Min. Lesedauer

Die Zahl der ambulanten Notfallbehandlungen pro Krankenhaus ist in Deutschland innerhalb von zehn Jahren um durchschnittlich 8,7 Prozent gestiegen. Angesichts des rasanten Anstiegs forderte der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse Barmer, Christoph Straub, eine engere Steuerung der Patientenversorgung. Dies würde das Problem überfüllter Notaufnahmen deutlich entschärfen, sagte Straub heute bei der Vorstellung des Krankenhausreports der Barmer. „Bevor die Patientinnen und Patienten in die Notaufnahme kommen, muss es eine verpflichtende telefonische und in Zukunft digital unterstützte Ersteinschätzung geben“, präzisierte der Vorstandschef.

Dabei sollten Patienten verbindlich in die richtige Versorgungsebene gesteuert werden und einen Termin bekommen. An dieser Stelle greife die Mitte Oktober vom Bundestag verabschiedete Notfallreform zu kurz, da sie die Ersteinschätzung zwar vorsehe, aber nicht zwingend vorschreibe, kritisierte Straub. „Ohne eine klare Vorgabe ist der Erfolg der Reform fraglich.“ Zudem könne die Notfallversorgung durch eine verstärkte aufsuchende Versorgung von Patienten im häuslichen Umfeld entlastet werden.

Dem Report zufolge stieg die Zahl der behandelten ambulanten Notfälle über alle versorgenden Kliniken hinweg zwischen 2015 und 2024 von 12,3 auf 12,7 Millionen. Es gebe aber große Unterschiede: In zwei von fünf Krankenhäusern habe die Fallzahl um 39 Prozent zugenommen, in weiteren zwei von fünf Einrichtungen sei sie um 26 Prozent gesunken. „Die steigenden Fallzahlen ambulant behandelter Patientinnen und Patienten im Krankenhaus sind ein Grund für überlastete Notaufnahmen. Doch bei weitem nicht jeder vermeintliche Notfall ist tatsächlich einer“, bilanzierte Straub. Es müsse sichergestellt werden, dass die Betroffenen in die richtige Versorgungsebene gelotst würden. Zwingend erforderlich sei, „dass diese ambulanten Versorgungsstrukturen, das heißt die vertragsärztlich tätigen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte, die Patientinnen und Patienten übernehmen“. Studienautor Daniel Grandt sprach sich für eine Aufklärungskampagne aus, die Patienten darüber informiere, wie Versorgungswege für medizinische Notfälle organisiert sind.

Auch der im Frühjahr 2026 veröffentlichte Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) geht davon aus, dass Kliniken durch eine Verlagerung eines großen Teils von Krankenhaus-Fällen in die ambulante Versorgung entlastet werden könnten. Besonders groß sei das „Ambulantisierungspotenzial“ im Bereich der Grundversorgung wie der Inneren Medizin oder der Allgemeinen Chirurgie. (ter)

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