Regierung ruft zu Krebsfrüherkennung auf
Angesichts von mehr als 500.000 neuen Krebserkrankungen pro Jahr rufen Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zur Nutzung von Früherkennungsangeboten auf. „Früherkennung und das Vermeiden von Risikofaktoren sind die zwei wichtigsten Säulen der Krebsprävention“, betonte Bär heute zum Start der Nationalen Krebspräventionswoche, die bis Sonntag dauert. „Damit können wir erreichen, dass Krebs erst gar nicht entsteht oder früh genug entdeckt wird.“ Linnemann unterstrich: „Krebsvorsorge kann Leben retten. Sie hilft dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor Beschwerden entstehen, und verbessert damit die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.“
Je früher ein Tumor erkannt wird, desto höher sind laut Wissenschaftlern in der Regel die Heilungschancen. Aggressivere und schwer belastende Therapien können so oft vermieden werden. Gesetzlich Versicherte können sich regelmäßig auf verschiedene Krebsarten untersuchen lassen – darunter Brust-, Darm-, Gebärmutterhals-, Haut-, Prostata- und bei starken Rauchern auch Lungenkrebs. Doch der Appell allein reicht nach Ansicht von Fachleuten nicht aus. Screenings wie Mammographie oder Darmkrebs-Untersuchungen würden teils von weniger als der Hälfte der Berechtigten genutzt.
Um diese Hürden abzubauen, fordern Organisationen wie die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) grundlegende Reformen nach dem Vorbild anderer EU-Staaten. „In den Niederlanden wird Versicherten der immunologische Stuhltest zur Darmkrebsfrüherkennung automatisch direkt nach Hause geschickt“, sagte Konstanze Blatt, Generalsekretärin der DKG. Zudem bestehe die Möglichkeit, den Test auf Humane Papillomviren (HPV) per Post zu erhalten und ihn selbst durchzuführen. Selbsttests zu Hause könnten als ergänzendes Angebot auch hierzulande die Teilnahmeraten an Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen erhöhen.
Neben solchen Heimtests rückt der Arbeitsplatz als Ort für die bundesweite Informationsoffensive der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums und der DKG unter dem Motto „Lass mal checken“ in den Fokus. Der Erfolg von Früherkennungsprogrammen hängt laut Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ, entscheidend von einer höheren Beteiligung ab. Besonders gefährdete Menschen müssten künftig gezielter erreicht werden. Ergänzend fordert Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, eine kontinuierliche Weiterentwicklung und bessere Evaluierung der Angebote. Künftige Strategien sollten sich stärker am individuellen Risiko und der genetischen Veranlagung der Versicherten ausrichten, um mehr Tumore frühzeitig zu erkennen und langfristig Leben zu retten. (jut)
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