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Neue Abnehmpille: Experten warnen vor Jojo-Effekt und Kostenlawine

01.09.2026 3 Min. Lesedauer

Der Hype um die seit heute in Deutschland erhältliche Abnehmpille hat auch die Debatte um eine Kostenübernahme durch die Kassen neu angefacht. Experten warnten vor einer Kostenlawine. „Das Geld hat das Gesundheitssystem gar nicht“, sagte der Adipositas-Experte Haiko Schlögl vom Universitätsklinikum Leipzig dem MDR. Die Jahrestherapie koste 3.000 Euro, die Zahl der Betroffenen liege bei zehn bis 15 Millionen. Im Extremfall gehe es um Mehrkosten von bis zu 45 Milliarden Euro im Jahr, warnte auch der AOK-Bundesverband jüngst. Zugleich dämpften Mediziner überzogene Erwartungen von Patienten. Der Gewichtsverlust halte meist nur so lange an, wie diese die Mittel nähmen, berichtete Stephan Jacob, Co-Autor der Zulassungsstudie zur Abnehmpille, im ZDF. Nach Absetzen hätten viele Patienten erzählt, sie hätten „Appetit und Hunger wie verrückt“.

Die Europäische Kommission hatte das Mittel Semaglutid im Juli als erstes auch in Tablettenform zugelassen. Seit heute ist die Abnehmpille in Deutschland auf Rezept erhältlich, allerdings ebenso wie die Abnehmspritzen der gleichen Wirkstoffgruppe nur für Selbstzahler. Auf Kassenrezept gibt es die Mittel nur für Diabetiker. Zwar würden die medizinischen Fachgesellschaften Adipositas als Krankheitsbild einstufen, rechtlich würden die Mittel aber als Lifestyle-Arzneien eingeordnet und nicht erstattet, sagte der Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Berliner Charité im ZDF. Er wies auf Risiken hin. Die Präparate seien ein „tolles Hilfsmittel“, aber nur „ein Baustein mehr“. Sie müssten mit einer Ernährungstherapie kombiniert werden, auch damit es nicht zu Nährstoffmängeln komme.

Sorgen bereitet Medizinern vor allem der Jojo-Effekt. So nähmen viele Patienten nach Absetzen der Mittel wieder zu. Bisher gebe es keine Studien, wie man diesen Jojo-Effekt vermeiden könne, sagte Kabisch. Die Einnahme der Mittel ergebe nur Sinn, „wenn man das dann wirklich langfristig – heißt eigentlich lebenslang – weiter nimmt“, meinte Schlögl. Zudem zeigten Studien, dass viele Patienten bei Semaglutid zu zwei Dritteln Fett und zu einem Drittel fettfreie Masse, vor allem Muskeln, abbauten. Nach Absetzen nähmen sie dann hauptsächlich Fett zu. „Das heißt: Man kommt am Ende beim selben Gewicht raus, aber jetzt mit weniger Muskulatur und noch mehr Fettgewebe.“

Beide äußerten sich skeptisch zu einer Kostenübernahme durch die Kassen. „Das wird nicht möglich sein, dass die Krankenkassen das übernehmen“, sagte Schlögl. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, warnte bereits vor Mehrkosten in zweistelliger Milliardenhöhe für die Beitragszahler. Dagegen drängen die Hersteller auf die Aufnahme in den Kassenkatalog. (cm)

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