Artikel Pflege

Einwurf: Neue Ressourcen für die Sorgearbeit

29.07.2026 Eva Maria Welskop-Deffaa 2 Min. Lesedauer

Das verrichtungsfixierte Leistungsrecht kann Krisen im Pflegealltag schlecht auffangen, sagt Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa. Sie wirbt für einen Hilfe-Mix aus Profis und Laien.

Foto: Eine junge Frau lehnt sich tröstend an einen nachdenklichen älteren Mann.
Pflege kann für Angehörige und Pflegebedürftige sehr belastend sein. Unterstützung hilft, wieder Halt und Zuversicht zu finden.
Eva Maria Welskop-Deffaa ist Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes.

Eine Pflegesituation ist für Pflegebedürftige und für ihre Angehörigen ein emotionaler und körperlicher Hindernisparcours. Immer wieder kommt es im Pflegealltag zu Krisen – wenn die wichtigste Pflegeperson ausfällt oder sich die Bedürfnisse der zu pflegenden Person durch besondere Ereignisse wie beispielsweise Klimaschwankungen oder Gesundheitsprobleme akut verändern. Das bestehende verrichtungsfixierte Leistungsrecht macht es schwer, die professionelle Unterstützung entsprechend anzupassen. Gleichzeitig haben Pflegedienste immer weniger Kapazitäten, akute Nachfrage zu bedienen.

Es sind dringend neue Wege der Unterstützung erforderlich: weg von verrichtungsbezogenen Leistungskomplexen, hin zu pflegerischen Hilfen, die die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen fördern und Angehörige vorausschauend entlasten. Die Caritasverbände Paderborn und Olpe erproben dazu seit einiger Zeit die ,,integrierte Pflegebegleitung“ als neue Leistung. Sie ist Teil des Angebots eines ambulanten Dienstes und ist integriert in den Alltag der am familiären Pflegesystem Beteiligten. Daraus ergibt sich ein Hilfe-Mix aus Profis und Laien, mit Anleitung zu pflegerischen Tätigkeiten und Förderung der (Selbst-)Pflegekompetenz.

„Pflegebegleitung leistet einen wichtigen Beitrag für eine demografiefeste Versorgung.“

Eva Maria Welskop-Deffaa

Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes

Pflegebegleitung meint Mitgehen im Alltag: Pflegebedürftige erleben wie ihre pflegenden Angehörigen neue Stabilität und gewinnen Zuversicht und Problemlösungskompetenz. Durch Beteiligung von Personen und Organisationen, die bisher nicht im Pflegealltag involviert sind, werden neue Ressourcen für die Sorgearbeit aufgetan. Pflegebegleitung leistet so einen wichtigen Beitrag für eine demografiefeste Versorgung.

Erfolgsbedingungen für ihre Einführung müssen im Team geschaffen werden. Benötigt wird Zeit für Gespräche mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen und zur Entwicklung von passenden Netzwerken mit Beteiligten aus dem sozialen Umfeld, aus verschiedenen Professionen und aus der Kommune. Vor allem aber braucht es politische Rahmenbedingungen, die der Weiterentwicklung guter Pflege Priorität geben und das Vertrauen aller vor Ort für neue Lösungen Engagierten nicht durch fehlgeleitete Spardebatten zerstören.

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