Rundruf Prävention

Männer öfter zum Arzt?

22.04.2026 Tina Stähler 4 Min. Lesedauer

Männer leben im Schnitt fünf Jahre kürzer als Frauen und nutzen Präventions- und Vorsorgeangebote deutlich seltener. Mit welchen Maßnahmen lassen sie sich besser für Arztbesuche, Vorsorgeuntersuchungen und ein gesundheitsbewussteres Verhalten gewinnen? G+G hat vier Expertinnen und Experten gefragt.

Eine Ärztin mit Stethoskop macht Notizen auf einem Klemmbrett, während sie mit einem sitzenden Patienten in einer Praxis spricht.
Männer gehen seltener zur Vorsorge – niedrigschwellige Angebote und passende Kommunikation sollen das ändern.

Rollenbilder aufbrechen und Perspektiven eröffnen

Foto: Porträt von Dr. Christoph Aluttis, Referatsleitung „Erwachsene, Ältere, Frauen- und Männergesundheit, Chancengleichheit“ im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)

Dr. Christoph Aluttis, Referatsleitung „Erwachsene, Ältere, Frauen- und Männergesundheit, Chancengleichheit“ im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG):

„Männer sterben früher – das ist kein Zufall. Entscheidend sind vor allem Lebensstil und Verhalten: mehr Alkohol und Tabak, weniger Vorsorge, spätere Arztbesuche. Die Folgen sind bekannt, etwa höhere Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. Dahinter stehen auch tief verankerte Rollenbilder: Wer gelernt hat, Probleme allein zu bewältigen und vermeintliche Schwächen nicht zu zeigen, sucht Hilfe häufig zu spät. Das umfasst vor allem auch psychische Belastungslagen. Wer Männer besser erreichen will, muss genau hier ansetzen. Es braucht eine Ansprache, die diese über Generationen eingeübten Rollenbilder ernst nimmt und neue Perspektiven eröffnet. Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen, ist kein Bruch mit Männlichkeit, sondern Teil eines zeitgemäßen Verständnisses davon. Das BIÖG bietet unter www.maennergesundheitsportal.de einen guten Überblick zu Vorsorgeuntersuchungen und liefert praktische Gesundheitstipps für Männer."

Verantwortung für ein gesundheitsbewusstes Leben stärken

Foto: Portät von Olaf Theuerkauf, Vorstand der Stiftung Männergesundheit

Olaf Theuerkauf, Vorstand der Stiftung Männergesundheit:

„Männer erreichen wir besser, wenn Prävention alltagsnah, niedrigschwellig und zielgruppenspezifisch gestaltet wird. Angebote sollten stärker in Lebenswelten integriert werden, etwa am Arbeitsplatz, im Sportverein oder digital über leicht zugängliche Formate. Wichtig ist eine Ansprache, die Männer nicht als ungesund lebende Menschen darstellt und nicht belehrt. Vielmehr sollte sie motivieren und Vorteile betonen, zum Beispiel Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und Selbstbestimmung. Außerdem brauchen wir männliche Vorbilder, die offen über Gesundheit sprechen und die eigene Verantwortung für ein gesundheitsbewusstes Leben normalisieren. Flexible Sprechzeiten, einfache Terminvergabe und betriebliche Gesundheitsprogramme können Hemmschwellen abbauen. Darüber hinaus sollte Gesundheitskompetenz früh gefördert werden, damit Jungen und Männer ein nachhaltiges Bewusstsein für Prävention beziehungsweise ihre individuellen Gesundheitsrisiken entwickeln."

Angebote in den Alltagskontext integrieren

Foto: Porträt von Dr. Gisela Nellessen-Martens, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e. V.

Dr. Gisela Nellessen-Martens, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V.:

„Die geringere Lebenserwartung von Männern lässt sich vor allem durch ein Zusammenspiel aus biologischen Unterschieden, höherem Risikoverhalten, Arbeitsbelastungen und sozialen Faktoren erklären; die geringere Inanspruchnahme von Vorsorge ist dabei ein relevanter, aber keineswegs ausschlaggebender Faktor. Studien zeigen, dass Männer Arztbesuche nicht primär aus mangelndem Wissen vermeiden, sondern aufgrund von Rollenbildern, Bagatellisierung von Symptomen sowie strukturellen Hürden. Erfolgversprechend sind aufsuchende, niedrigschwellige Angebote, flexible Zugangsmodelle sowie betriebliche oder lebensraumbezogene Ansätze. Entscheidend ist darüber hinaus eine zielgruppenspezifische Ansprache, die an Alltagskontexte anschließt und gezielt über Gruppen- und Peerformate erfolgt. Statt bestehende Versorgungspfade lediglich besser zu „beschildern“, sollten wir konsequent neue Wege erproben und gehen."

Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Foto: Prof. Dr. med. Axel S. Merseburger, Direktor der Klinik für Urologie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Prof. Dr. med. Axel S. Merseburger, Direktor der Klinik für Urologie am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.:

„Männer nutzen Vorsorgeangebote deutlich seltener – mit messbaren Folgen für Morbidität und Mortalität. Um diese Lücke zu schließen, braucht es niedrigschwellige Zugänge, zielgruppenspezifische Ansprache und strukturelle Anreize. Prävention muss näher an die Lebensrealität von Männern rücken – etwa durch betriebliche Angebote, digitale Tools oder flexible Sprechzeiten. Gleichzeitig ist eine entstigmatisierende Kommunikation entscheidend: Gesundheit ist Ausdruck von Verantwortung, nicht von Schwäche. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie unterstützt dies aktiv über die Urologische Stiftung Gesundheit mit evidenzbasierten Informationsangeboten, Entscheidungshilfen, Online-Formaten und Kampagnen, die Männer gezielt ansprechen und zur Vorsorge motivieren. Ergänzend können personalisierte Einladungsverfahren die Teilnahme weiter erhöhen. Prävention bei Männern ist damit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

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