Debatte: Kinder wünschen sich Mitsprache
Kinder haben ein Recht darauf, an Entscheidungen beteiligt zu sein, die ihre Gesundheit betreffen, sagt Berthold Koletzko. Der Kinder- und Jugendarzt fordert konkrete Schritte, um dieses Recht im medizinischen Alltag zu verankern.
Fast jedes dritte Kind in Deutschland erlebt Arztbesuche, bei denen über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Diese Erkenntnis aus dem Kindergesundheitsbericht 2025 der Stiftung Kindergesundheit ist besorgniserregend. Sie zeigt, dass echte Partizipation im medizinischen Alltag noch nicht selbstverständlich ist. Dabei haben Kinder und Jugendliche ein Recht darauf, an Entscheidungen beteiligt zu werden, die ihre Gesundheit betreffen.
Die im Kindergesundheitsbericht veröffentlichte Forsa-Umfrage zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Gesundheitsversorgung zeigt kein grundsätzliches Defizit. Viele Kinder wissen, warum sie in der Praxis sind, werden über Untersuchungen aufgeklärt und fühlen sich respektiert. Trotzdem wünscht sich die Mehrheit mehr Mitsprache. Das Problem liegt in den Strukturen der Versorgung und fehlender kindgerechter Aufbereitung, nicht im mangelnden Verständnis junger Patientinnen und Patienten.
Kinder, die verständlich informiert werden und mitentscheiden dürfen, erleben weniger Angst, entwickeln mehr Vertrauen und ein stärkeres Gefühl von Selbstwirksamkeit. Sie können medizinische Zusammenhänge besser verstehen und therapeutische Entscheidungen eher mittragen. Das kann sich positiv auf Adhärenz, Zufriedenheit und Behandlungserfolg auswirken.
„Mitbestimmung ist kein pädagogisches Extra, sondern ein Qualitätsmerkmal guter Medizin.“
Kinder- und Jugendarzt sowie Vorstand der Stiftung Kindergesundheit
Partizipation bedeutet nicht, fachliche Verantwortung abzugeben oder Kinder zu überfordern. Sie bedeutet, Kommunikation altersgerecht zu gestalten, Kinder direkt anzusprechen und ihnen reale Wahlmöglichkeiten zu eröffnen. Oft sind es kleine Veränderungen im Gespräch, die eine große Wirkung entfalten.
Es reicht allerdings nicht, dass dies vom persönlichen Engagement Einzelner abhängt. Partizipation braucht Zeit, klare Abläufe und eine Haltung, die Kinder als aktive Beteiligte ihrer eigenen Gesundheitsversorgung begreift. Die Fakten liegen vor, die rechtliche Grundlage ist da, und die Kinder fordern es ein. Jetzt braucht es konkrete Schritte, um Kinderrechte in der medizinischen Versorgung systematisch zu verankern. Mitbestimmung ist kein pädagogisches Extra, sondern ein Qualitätsmerkmal guter Medizin.
Mitwirkende des Beitrags
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.