Daten und Analysen Pflege

Neue Pflegeausbildung erfreut sich wachsender Beliebtheit

29.05.2026 Irja Most 4 Min. Lesedauer

Ein Blick auf die neuesten Zahlen zur sogenannten generalistischen Pflegeausbildung zeigt: Immer mehr junge Frauen und Männer unterschreiben einen Vertrag, um Pflegefachperson zu werden. Die Verdienstmöglichkeiten sind überdurchschnittlich gut.

Junge Pflegekraft in blauer Arbeitskleidung steht mit Tasche und Klemmbrett vor einem hellen Hintergrund mit Symbol für ein medizinisches Zertifikat.
Immer mehr Menschen starten eine generalistische Pflegeausbildung, doch Abbrüche und Vertragswechsel bleiben eine Herausforderung.

So viele Menschen wie noch nie haben sich seit dem Start der generalistischen Pflegeausbildung 2020 für den Einstieg in den Beruf Pflegefachfrau oder Pflegefachmann entschieden. Insgesamt rund 158.000 Azubis zählte das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Stichtag 31. Dezember 2025. Auch die Zahl der Neuverträge für die dreijährige Ausbildung stieg im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert mit 64.300 und wuchs damit im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent. 2020 lag die Zahl noch bei 53.610. 

Nach wie vor dominiert der Frauenanteil stark und lag zuletzt bei 71 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr 2024 stieg die Zahl bei den Frauen allerdings nur um sechs Prozent. Bei den Männern haben sich 2025 hingegen mehr für eine Pflegeausbildung entschieden mit einem Plus von 15 Prozent gegenüber 2024. In Perspektive betrachtet gab es bei den Männern seit 2020 einen Zuwachs um fünf Prozentpunkte auf 29 Prozent. 

Foto: Grafik: Entwicklung der Pflegeausbildung - Die generalistische Pflegeausbildung erfreut sich wachsender Beliebtheit

2021 nur jeder zweite primärqualifizierende Studienplatz belegt

Neben der Berufsausbildung kann auch über ein duales Studium eine Anerkennung zur Pflegefachperson erworben werden, das seit 2024 vergütet und finanziert wird. Bereits zuvor war ein vergleichbares Studium möglich. Insgesamt zählte Destatis 1.800 Pflegestudierende bis Ende 2025. 800 Interessierte nahmen im vergangenen Jahr ein Studium auf. Von den Studierenden mit Neuvertrag waren nach den gerundeten vorläufigen Ergebnissen 77 Prozent Frauen und lediglich 22 Prozent Männer. 2024 waren es insgesamt 744, davon 156 Männer und 588 Frauen. 

Eine erste Sondererhebung von 2022 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Pflegestudium an Hochschulen ergab für 2020 in der Pflege eine Akademisierungsquote von 0,78 Prozent bei den primärqualifizierend Studierenden. Mit Blick auf alle Studierenden im untersuchten BIBB-Panel lag die Quote bei 1,70 Prozent. Ein Jahr später stiegen diese Werte leicht an. 2020 nahmen 927 Personen ein Studium vergleichbar mit der Ausbildung auf, davon 424 in primärqualifizierenden Studiengängen. 2021 waren es 1.091 Studierende, davon 508 primärqualifizierend Studierende. Nur etwa 50 Prozent der angebotenen primärqualifizierenden Studienplätze waren laut Erhebung in dem Semester belegt.

Studienplatz-Angebote gibt es vor allem in Süddeutschland

Für eine primärqualifizierend akademische Ausbildung listet das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Studienplatz-Angebote an 38 hochschulischen Einrichtungen nach dem 2017 beschlossenen Pflegeberufegesetz auf. Die Hochschulen können sich hier freiwillig melden, daher gibt es keine Gewähr auf Vollständigkeit. Die meisten Angebote finden sich demnach in Bayern mit neun, gefolgt von Baden-Württemberg mit fünf. Keine existieren laut Liste im Saarland sowie Niedersachsen.

Die meisten starten praktischen Teil im Krankenhaus

Studierenden und Auszubildenden ist gemeinsam, dass sie den praktischen Teil ihrer Ausbildung bei einem Träger in Krankenhäusern sowie stationären oder ambulanten Pflegeeinrichtungen absolvieren. Am beliebtesten ist dabei der Klinik-Sektor. Nach Angaben der im Dezember 2025 veröffentlichten Pflegeausbildungsstatistik haben im Jahr 2024 rund 30.280 Auszubildende und 651 Studierende ihren praktischen Teil in einem Krankenhaus gestartet. 

An zweiter Stelle kamen bei Azubis und Studierenden stationäre Pflegeeinrichtungen mit rund 21.000 beziehungsweise 51. Auf Platz drei lagen ambulante Pflegeeinrichtungen mit etwa 6.700 Auszubildenden und 42 Studierenden. Die meisten Azubis mit mehr als 26.000 schlossen einen Vertrag mit einer Einrichtung in freigemeinnütziger Trägerschaft, 17.000 mit einer Einrichtung in privater und rund 15.000 in öffentlicher Trägerschaft.

Hohe Abbruchquote hat vielfältige Gründe

Trotz des zunehmenden Interesses am Pflegeberuf bleibt die statistisch erhobene Abbruchquote im Vergleich zu anderen Ausbildungen relativ hoch. Jeder Dritte löst den Vertrag vorzeitig auf. Insgesamt waren es 2024 33,4 Prozent. „Bei Ausbildungen, die in Krankenhäusern sowie bei Ausbildungsstätten in öffentlicher Trägerschaft absolviert werden, liegen die Lösungsquoten unter den durchschnittlichen bundesweiten Ergebnissen“, resümiert die Pflegeausbildungsstatistik. 

Die Gründe für eine Vertragsauflösung sind vielfältig, zeigt auch das BIBB in einer Analyse zu Abbrüchen der Pflegeausbildung. Demnach machten 59 Prozent 2023 ihren Abschluss, die 2020 gestartet sind. Bei 41 Prozent erfolgte keine Prüfung, was unterschiedliche Ursachen hatte. Die Kategorie „nicht bestanden“ spielte laut Bundesinstitut dabei nur eine geringe Rolle. Es sei anzunehmen, dass ein Großteil der Ausbildungsverträge tatsächlich vorzeitig gelöst worden sei - aufgrund von Wechseln oder in etwa der Hälfte durch „echte“ Abbrüche.

Gute Verdienstmöglichkeiten in der Pflege

Die Ausbildungsvergütung staffelt sich nach Angaben des Bundesbildungsministeriums meist nach dem Ausbildungsjahr. Je nach Träger der praktischen Ausbildung sowie je nach Bundesland kann die Höhe der Vergütung unterschiedlich ausfallen. Sie liegt im Schnitt pro Monat zwischen 1.200 Euro im ersten und 1.400 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Beim dualen Studienmodell verhält es sich ähnlich, wie die Technische Hochschule Deggendorf angibt. Hiernach liegt die Spanne je nach Semesteranzahl und Trägerschaft monatlich brutto zwischen 1.100 Euro und 1.400 Euro.

Am besten ist die Bezahlung nach Tarif des öffentlichen Dienstes wie zum Beispiel in einem kommunalen Krankenhaus. Seit dem 1. Mai 2026 gibt es monatlich brutto im ersten Ausbildungsjahr 1.490,63 Euro, im zweiten 1552,07 Euro und im dritten Jahr 1653,38 Euro. Im Vergleich zu anderen Ausbildungen verdienten Azubis in Gesundheits- und Pflegeberufen 2024 nach Destatis-Angaben überdurchschnittlich gut.

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Irja Most

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