Kaffee: Wie gesund ist der Muntermacher?

Kaffee gehört in Deutschland zu den beliebtesten Getränken. Das zeigt eine Umfrage, die vom Deutschen Kaffeeverband in Auftrag gegeben wurde. Das Koffein im Kaffee stimuliert das Nervensystem, deshalb gilt Kaffee als Wachmacher. Lange Zeit hielt man das schwarze Getränk für ungesund, dabei gibt es einige Hinweise auf positive Wirkungen für die Gesundheit.

Foto: Eine automatische Kaffeemaschine lä

Kaffee ist eine – legale – Droge: Das schwarze Getränk macht uns glücklich, und das schon seit vielen Jahrhunderten. Im Unterschied zu Alkohol oder Nikotin ist Kaffee sogar gesund. Das liegt nicht nur am Koffein, sondern auch an den anderen über 1.000 Inhaltsstoffen. Doch wie wirkt Koffein und wie viele Tassen sollte man pro Tag höchstens trinken?  Semra Köksal, Diätassistentin und Ernährungsberaterin/DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) bei der AOK, hat Antworten.

Espresso, Cappuccino, Americano, Caffè latte oder Café frappé, Filterkaffee oder Instantkaffee, kalt oder warm aufgebrüht: Kaffee in all seinen Varianten ist in Deutschland das beliebteste Getränk, noch vor Mineralwasser oder Bier. Das zeigt eine Umfrage, die vom Deutschen Kaffeeverband in Auftrag gegeben wurde. So trinkt jede und jeder im Schnitt vier Tassen pro Tag, das sind 167 Liter im Jahr. Lange Zeit galt Kaffee als ungesund, unter anderem für Herz und Magen. „Doch regelmäßiger Kaffeekonsum ist nicht gesundheitsschädlich“, sagt Ernährungsexpertin Köksal. „Im Gegenteil: Es gibt einige Hinweise auf positive Wirkungen  für die Gesundheit.“

Koffein stimuliert das Nervensystem

Unter den mehr als 1.000 Inhaltsstoffen im Kaffee ist Koffein die bekannteste Substanz, und zwar die, die wach macht. „Koffein stimuliert das Nervensystem: Wir können uns besser konzentrieren, schneller denken und leichter lernen. Zudem hebt Koffein die Stimmung“, erläutert Köksal. „Auch die Herzfrequenz wird angeregt, der Blutdruck, die Magenfunktion, die Darmtätigkeit und viele weitere Stoffwechselvorgänge.“ Die Folge: Wir fühlen uns einfach fitter. Doch was passiert dabei genau im Gehirn? Koffein blockiert ein Molekül, das müde macht, nämlich das Adenosin. Gleichzeitig sorgt Koffein dafür, dass die Stresshormone Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet werden, die den Organismus mobilisieren. Weil Koffein im Gehirn wirkt und aufputscht, gilt Kaffee als Droge. Er macht zwar nicht im eigentlichen Sinne süchtig, es setzt aber eine Art Gewöhnungseffekt ein. Wer also viel Kaffee trinkt und plötzlich darauf verzichtet, kann Kopfschmerzen bekommen oder müde werden. Eine Tasse Kaffee wirkt durchschnittlich etwa vier Stunden – abhängig von Alter, Gesundheit, Gewohnheit, Gewicht und Veranlagung.

Kaffee schützt vor manchen Krankheiten

Doch Koffein ist nicht der einzige Wirkstoff. „Vor allem Inhaltsstoffe wie zum Beispiel pflanzliche Phenolsäuren, die als sogenannte Antioxidantien wirken, scheinen für die Gesundheit förderlich zu sein: Sie fangen freie Radikale, die unsere Zellen angreifen, und senken so das Risiko für zum Beispiel Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Köksal. Lange war man sich aber nicht sicher, ob Kaffee krebserregend ist. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) schließt – mit Blick auf aktuelle Studien – ein Krebsrisiko aus. Kaffee bietet wohl eher einen gewissen Schutz, zum Beispiel gegen Leberkrebs. Auch das Herz profitiert. Kaffee senkt offenbar das Risiko für die koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. Den Blutdruck erhöht der Wachmacher nur kurzfristig, langfristig besteht keine Gefahr für einen Bluthochdruck. Wenn sich mit Kaffee Herzrhythmusstörungen verstärken, empfiehlt es sich, zu koffeinfreiem Kaffee zu greifen. Zumal auch dieser Variante ähnliche Schutzwirkungen zugeschrieben werden.

Vier bis fünf Tassen pro Tag sind in Ordnung

Damit Kaffee einen positiven Effekt auf die Gesundheit behält, sollte eine Einzeldosis von 200 Milligramm Koffein nicht überschritten werden. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority: EFSA), die sich einen Überblick über die Studien zum Thema Kaffee verschafft hat. Das sind zwei Tassen Filterkaffee oder Espresso. Eine Tasse Filterkaffee enthält im Durchschnitt um die 90 Milligramm Koffein, ein Espresso um die 80 Milligramm. Der Gehalt kann allerdings sehr schwanken, abhängig von der Sorte, der Zubereitung und der Menge an Kaffeepulver beziehungsweise Kaffeebohnen. Über den Tag verteilt können gesunde Erwachsene ohne Bedenken bis zu 400 Milligramm trinken, also vier bis fünf Tassen. Trinkt man mehr, fühlt man sich womöglich zittrig und nervös und schläft schlecht. Einige reagieren auf zu viel Kaffee auch mit Schweißausbrüchen, Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen. Auch die Zubereitung macht einen Unterschied. „Gefilterter Kaffee scheint mehr gesundheitliche Vorteile als Espresso zu haben, weil bestimmte chemische Verbindungen im Filter hängen bleiben“, so AOK-Expertin Köksal.

Ist Tee gesünder?

Übrigens: In Teeblättern steckt ebenfalls Koffein, wenn auch etwas weniger als in den Kaffeebohnen. Dieses sogenannte Teein macht munter, die wachmachende Wirkung setzt allerdings langsamer ein, hält dafür aber länger an. Ebenso enthält Tee sekundäre Pflanzenstoffe, die vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen sollen. Laut DKFZ werden die gesundheitlichen Wirkungen von grünem oder schwarzem Tee jedoch eher überschätzt, das gesundheitliche Potenzial von Kaffee wird dagegen eher unterschätzt.

Kaffee-Regeln

  • Bei Schlafproblemen: Möglichst keinen koffeinhaltigen Kaffee mehr nach 16 Uhr trinken.
  • Nicht zu heiß trinken: Das kann die Schleimhäute schädigen. Das gilt allerdings für alle Heißgetränke.
  • Vorsicht bei Medikamenten: Kaffee kann die Wirkung von Arzneimitteln verstärken oder abschwächen.
  • Flüssigkeitshaushalt: Kaffee darf ruhig mitgezählt werden. Als Durstlöscher ist Wasser allerdings deutlich besser geeignet.
  • Achtung Schwangerschaft: Werdende Mütter sollten nicht mehr als 200 Milligramm Koffein pro Tag zu sich nehmen, das entspricht etwa zwei Tassen Kaffee. Besser wäre es allerdings, ganz auf koffeinhaltigen Kaffee zu verzichten. Der Fötus könnte durch erhöhten Kaffeekonsum langsamer wachsen. Neugeborene von Frauen, die während der Schwangerschaft viel koffeinhaltigen Kaffee getrunken haben, weisen oft ein geringeres Körpergewicht auf – vor allem bei Frühgeborenen kommt es jedoch auf jedes Gramm an.
  • Für Vieltrinker: Den Konsum mal zwischendurch reduzieren, dann wird der Organismus wieder empfänglicher für die muntermachende Wirkung.