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Heißgeliebtes Getränk – ist Kaffee gesund oder ungesund?

Veröffentlicht am:26.05.2021

5 Minuten Lesedauer

Durchschnittlich 166 Liter Kaffee pro Kopf trinken die Deutschen im Jahr, so das Statistische Bundesamt. Studien besagen, dass das heiße Gebräu mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht werden kann. Das gilt aber nicht unbedingt für das darin enthaltene Koffein. Erfahren Sie, ob Kaffee gesund ist und welcher Konsum unbedenklich ist.

Mann schenkt sich Kaffee ein, doch wie viele Tassen am Tag sind vertretbar?

© iStock / yacobchuk

Ist Kaffee schädlich?

Heiß aufgebrüht und manchmal auch kalt getrunken – Kaffee ist nicht nur ein beliebtes Getränk, sondern auch ein komplexes Gemisch aus Chemikalien und Koffein. Das bringt passionierte Kaffeetrinker oft zum Nachdenken: Ist mein Konsum noch unbedenklich? Schadet die Säure im Kaffee meinem Magen? Die Frage, ob Kaffee gesund oder ungesund ist, lässt sich tatsächlich nicht so leicht beantworten.

In der Regel müssen Kaffeeliebhaber sich aber keine Sorgen machen, im Gegenteil: Studien zeigen, dass regelmäßiger Kaffeekonsum nicht im Zusammenhang mit der Entwicklung von Krankheiten steht. Die Analysen erlauben sogar Rückschlüsse, die diese Gewohnheit in Zusammenhang mit gesundheitlichen Vorteilen bringt.

Ist Kaffee gut für die Leber?

Kaffee steht offenbar dank einer Reihe von bioaktiven Substanzen in einem positiven Zusammenhang mit dem Schutz vor Lebererkrankungen. Eine Meta-Analyse verschiedener Studien kommt zum Ergebnis, dass Kaffeetrinker ein geringeres Risiko für Leberkrebs haben als Nicht-Kaffeetrinker.

Dieser Zusammenhang, so räumen die Autoren ein, könnte jedoch auch teilweise darauf zurückzuführen sein, dass Patienten mit Lebererkrankungen ihren Kaffeekonsum reduzieren oder einstellen. Dennoch: Studien haben gezeigt, dass Kaffee die Leberenzyme und die Entwicklung von Leberzirrhose günstig beeinflussen und somit womöglich auch vor Leberkrebs schützen kann.

Ist Kaffee gut für das Herz?

Das Herz scheint in der Regel nicht durch Kaffee beeinträchtigt zu werden: In einer aktuellen britischen Studie konnte selbst bei einem erhöhten Kaffeekonsum von bis zu 25 Tassen täglich kein schädlicher Effekt auf die Arterien nachgewiesen werden.

Wie wirkt Kaffee auf die Knochen?

Ein weiterer positiver Zusammenhang hat sich im Hinblick auf die Knochengesundheit gezeigt: Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, haben demnach sogar eine höhere Knochenmineraldichte als Menschen, die nicht regelmäßig Kaffee trinken. Allerdings beruhen diese Erkenntnisse auf einer Studie, die mit nur 564 Probanden aus Hong Kong durchgeführt wurde.

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Was hat Kaffee für Nebenwirkungen?

Die rund 1.000 Inhaltsstoffe von Kaffee müssen zum Teil noch in Bezug auf ihr Zusammenspiel und ihre Wirkung auf unseren Körper erforscht werden. Ein zentraler Bestandteil ist das Koffein, und dieses wirkt, ebenso wie das gesamte Gebräu, nicht bei allen Menschen gleich. Deshalb fällt es so schwer, eine allgemeine Empfehlung für den Kaffeekonsum auszusprechen, zumal eine Tasse von 30 bis zu 175 Milligramm Koffein enthalten kann. Dessen Wirkung kann aufputschend sein und den Körper unter anderem dazu bringen, mehr Urin zu produzieren.

Die anregende Wirkung von Koffein kann bei Menschen, die nur ab und zu Kaffee trinken, den Blutdruck kurzfristig um etwa zehn bis 20 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) ansteigen lassen. Ist man jedoch die Koffeinzufuhr gewöhnt, treten die Blutdruckanstiege laut den Angaben der Deutschen Herzstiftung nach zwei bis drei Wochen nicht mehr auf – oder sie sind geringer.

Wer wissen möchte, wie sich Kaffeetrinken auf seinen Blutdruck auswirkt, kann diesen direkt vor und nach dem Genuss messen und dann vergleichen. Wenn er deutlich ansteigt, empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Arzt darüber, ob und in welchen Mengen Kaffee noch unbedenklich konsumiert werden kann – auch im Hinblick auf mögliche Herzrhythmusstörungen.

Frau mit einem großen Becher Kaffee in der Hand, aber wie viel ist gesundheitlich unbedenklich?

© iStock / gerenme

Wie viel Koffein am Tag ist schädlich?

Für einen gesunden, erwachsenen Menschen gibt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an, dass bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis – also Koffein, das innerhalb kurzer Zeit aufgenommen wird – gesundheitlich unbedenklich sind. 400 Milligramm sind es über den Tag verteilt, was vier bis fünf Tassen Kaffee entspricht. Für Menschen, die gern in Bewegung sind, gilt allerdings: Sport belastet das Herzkreislaufsystem, und Koffein kann diese Belastung erhöhen. Es ist daher besser, Koffein beim Sporttreiben vorsichtig zu dosieren.

Dass Heranwachsende noch keinen Kaffee trinken sollen, hat übrigens seinen Grund: Für Kinder und Jugendliche gelten laut BMEL nur drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als gesundheitlich unbedenklich.

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Ist koffeinfreier Kaffee gesund?

Wer unter Herzrhythmusstörungen leidet, die sich durch das Kaffeetrinken verstärken, dem empfiehlt die Deutsche Herzstiftung koffeinfreien Kaffee. Diesem wurde eine ähnliche Schutzwirkung im Hinblick auf die Gesundheit nachgewiesen, wie koffeinhaltigem Kaffee. Eine Übersichtsarbeit einer Gruppe Düsseldorfer Wissenschaftler, die in der Zeitschrift „Nutrient“ publiziert wurde, kommt zum Schluss, dass es vor allem die im Kaffee enthaltenen phenolischen Phytochemikalien sind, auf die die positiven Zusammenhänge des Kaffeekonsums mit unserer Gesundheit zurückgeführt werden können. Diese Substanzen finden sich ebenfalls in Gemüse. Insofern könnte man eine Tasse Kaffee – ob mit oder ohne Koffein – auch als flüssiges Gemüse betrachten, folgern die Forscher. 

Wie kann ich Kaffee gesund zubereiten?

Weil die Kaffeebohnen geröstet werden, können sie den Stoff Acrylamid enthalten, ein Nebenprodukt des Röstvorgangs. In Tierversuchen hat sich laut Öko-Test gezeigt, dass diese Substanz das Erbgut schädigen und in einem Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs stehen kann. In Tests fallen bestimmte Kaffeeprodukte immer wieder mit erhöhten Werten auf – es empfiehlt sich, beim Kauf darauf zu achten.

  • Filterkaffee verwenden

    Das Statistische Bundesamt nennt die Zubereitung von bereits gemahlenem Filterkaffee als beliebteste Form. Gefilterter Kaffee birgt offenbar auch gesundheitliche Vorteile im Gegensatz zu direkt aufgebrühtem Bohnenextrakt: Eine schwedische Studie, die im Journal of Internal Medicine veröffentlicht wurde, ergab, dass Menschen, die pro Tag zwei bis drei Tassen Filterkaffee tranken, ein 60 Prozent niedrigeres Diabetes Typ 2 Risiko hatten als diejenigen, die weniger als eine Tasse Filterkaffee tranken.

  • Kaffee nicht direkt aufbrühen

    Bei dem Konsum von frisch aufgebrühtem Kaffee dagegen konnte der Zusammenhang von Kaffee und Diabetes Typ 2 nicht beobachtet werden. Ein Unterschied ist, dass Brühkaffee sogenannte Diterpene enthält. Beim Filterkaffee bleiben diese chemischen Verbindungen im Filter hängen. Es ist allerdings nicht sicher, ob Diterpene den Zuckerstoffwechsel negativ beeinflussen und damit die Ursache dafür sind, warum gekochter Kaffee nicht wie Filterkaffee das Diabetesrisiko senkt. Aber durch das Fehlen im Filterkaffee sind die gesundheitlichen Vorteile anderer Inhaltsstoffe, wie Phenole, präsenter.

  • Kaltes Brühen vermeiden

    Bei Jüngeren ist kalt gebrühter Kaffee beliebt, weil er mehr Antioxidantien und weniger Säuren enthalten soll. Er wird hergestellt, indem das Kaffeepulver über mehrere Stunden oder sogar Tage in kaltes Wasser gegeben wird. Der kalte Herstellungsprozess bewirkt, dass andere Röststoffe aus dem Kaffee herausgelöst werden als bei dem heißen Aufkochen. Eine Studie aus der der Fachzeitschrift Scientific Reports belegt nun allerdings, dass kalt gebrühter Kaffee nur unwesentlich weniger Säure enthält. Bei den Antioxidantien, die für die günstige gesundheitliche Wirkung verantwortlich sein sollen, schneidet kalt gebrühter Kaffee sogar schlechter ab als heiß zubereiteter Filterkaffee.

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