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Neue Pflege braucht das Land

Was soll ein alleinstehender alter Mensch tun, der wegen eines Beinbruchs im Krankenhaus war, dort operiert und vielleicht zehn Tage gepflegt wurde, dann nach Hause entlassen wird, ohne schon selbständig gehen, zu können. Von allem anderen ganz zu schweigen?

29.06.2021Autor/in: Hannelore StrobelRubrik: Versorgung und Innovation 0

Fragen, die das Leben stellt. Und Fragen, die AOK PLUS-Pflege-Experten vor mehr als zwei Jahren bewegt haben, sich dazu mit der Geschäftsführung der Dresdner Diakonie auszutauschen. Für allzu viele Patienten, die noch eingeschränkt waren nach einer Krankenhausbehandlung, für die eine Rehabilitationsmaßnahme nach der Entlassung aus der Klinik nicht in Frage kam, war die stationäre Pflege in einem Heim bis dato oft der einzige Ausweg.

Mobilisieren und Aktivieren

Dabei wäre es oft möglich, durch eine befristete Pflege mit begleitenden Physio- und Ergotherapien direkt im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten der Patienten zu reaktivieren – so die Theorie.

Ob das praktisch funktioniert, wäre auszuprobieren. Dazu müsste man bestimmte Voraussetzungen schaffen: räumliche, personelle, konzeptionelle – meinten und diskutierten in vielen Einzelheiten die Fachleute beider Seiten seit 2018.

In einem von der Diakonie neu errichteten Objekt am südlichen Stadtrand von Dresden, das neben normaler Kurzzeitpflege auch betreutes Wohnen, Tagespflege und stationäre Langzeitpflege umfassen sollte, wurden für den Praxistest dieses Denkansatzes auch 14 Plätze für eine Anschlusskurzzeitpflege vorgesehen, deren Ziel die Wiederherstellung bzw. der Erhalt von Alltagskompetenzen und Selbstbestimmtheit sein sollte.

Erfolg gibt recht

Der Praxistest startete Ende 2019. Jetzt – anderthalb Jahre später liegt der Evaluationsbericht vor. Das Gutachten von Frau Professor Bartoszek aus Düsseldorf kommt zu dem Schluss, dass die Ergebnisse ermutigend sind. Alle 62 Patienten im Alter zwischen 70 und 90 Jahren konnten nach der mobilisierenden Kurzzeitpflege entweder in die eigenen vier Wände zurückkehren oder eine Rehabilitationsmaßnahme antreten. Gelungen ist das vor allem durch den Einsatz interprofessioneller Teams. Alles, was normalerweise zwischen Pflegekräften, Alltagsbegleitern und Hauswirtschafterinnen strikt abgegrenzt ist, durfte und sollte bei dieser Art der Versorgung jedes Teammitglied tun. Eine sogenannte Gesundheitsassistenz verlängerte die Übungen der externen Therapeuten in den jeweils individuellen Alltag der Patienten. Normalerweise kommen 40 Prozent aller Patienten, die nach einem Krankenhausaufenthalt Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen, dauerhaft ins Pflegeheim. In Dresden-Plauen war es in den ersten 18 Monaten Laufzeit des Projekts kein Einziger. Das ist für jede(n) persönlich schön und angesichts aktueller Prognosen ein großer Erfolg.

Wie weiter?

Von den rund 3,4 Millionen Versicherten der AOK PLUS in Sachsen und Thüringen sind aktuell rund 274.000 pflegebedürftig. In vier Jahren werden es voraussichtlich 338.000 sein.

Wer wird die Pflege leisten? Und wer kann sich Pflege dann leisten?

Weil die Zuzahlung für diese innovative Form der Anschlusskurzzeitpflege die Patienten pro Tag 100 Euro kostet, fordert die AOK PLUS von den politischen Entscheidern neben der Freiheit, solche kreativen Versorgungsformen gestalten zu dürfen auch Geld. Die Investitionskosten für stationäre Pflegeeinrichtungen sollten die Länder komplett übernehmen. Das entlastet jeden Versicherten, der kurz- oder längerfristig einen Heimplatz in Anspruch nehmen muss, um 300 bis 400 Euro – monatlich. 

Das Dresdner Projekt soll weiterentwickelt werden und als Muster dienen für Einrichtungen in Thüringen und Sachsen, die in der Kurzzeitpflege ebenfalls nach dem aktivierenden Prinzip arbeiten: „Pflegeheim? (Noch) nicht nötig“.

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