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AOK-Studie zur digitalen Gesundheitskompetenz: Je schlechter der Gesundheitszustand, desto geringer das Wissen

„Kommen die Patientinnen und Patienten eigentlich noch mit?“, fragt der AOK-Bundesverband am Ende eines Jahres, in dem der digitale Fortschritt im Gesundheitswesen oft gelobt wurde. Die Studie zur digitalen Gesundheitskompetenz zeigt: Es gibt viel Nachholbedarf – vor allem bei jenen vulnerablen Gruppen, die am ehesten von digitalen Angeboten profitieren könnten.

08.12.2020Autor/in: Katja ZeidlerRubrik: Presse und Politik 0

Der Ländervergleich lenkt ab. Und nein, ich sage das nicht, weil mein Heimat-Bundesland Thüringen das zweitschlechteste Ergebnis nach Baden-Württemberg aufweist. Ich finde: Wer auf die AOK-Studie zur digitalen Gesundheitskompetenz der Menschen in Deutschland schaut und sieht, dass das eigene Bundesland ja nur ein paar Prozentpunkte schwächer abgeschnitten hat als die Nachbarn, der übersieht das Problem.

Mängel quer durch die Gesellschaft

Die eigentlichen alarmierenden Ergebnisse der bundesweit durchgeführten Befragung sind diese: Mehr als jede und jeder Zweite in Deutschland hat nur eine moderate oder gar geringe Gesundheitskompetenz. Das heißt, diese Menschen haben Schwierigkeiten, Informationen zu Gesundheitsfragen im Internet zu finden, zu verstehen und zu bewerten. Und die Trennlinien zwischen den unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten verlaufen weniger entlang von Ländergrenzen, sondern vielmehr zwischen gesellschaftlichen Schichten sowie zwischen Gesunden und Kranken.

Gesundheitskompetenz hängt an Bildung, Geld – und Gesundheit

Denn je höher der Bildungsabschluss und je höher das Einkommen, umso stärker ist tendenziell die digitale Gesundheitskompetenz ausgeprägt. Menschen, die ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut einschätzen, weisen ebenfalls eine höhere digitale Gesundheitskompetenz auf als Menschen, die ihren Gesundheitszustand als mittelmäßigem bis sehr schlecht einstufen. Auch Personen mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen, so die Studie, haben tendenziell eine weniger stark ausgeprägte digitale Gesundheitskompetenz als Personen ohne chronische Krankheit. Obendrein ist die Gruppe der Menschen mit mindestens einer chronischen Erkrankung (72 Prozent) auch wesentlich größer als die der Menschen ohne chronische Erkrankung (28 Prozent).

„Die Studie zeigt, dass es digitale Barrieren gibt, und dass wir die Menschen unterstützen müssen, dass sie die richtigen Entscheidungen für die eigene Gesundheit treffen“, sagt deshalb Martin Litsch, der Vorsitzende des AOK-Bundesverbands. Oder anders: Nur weil fast jeder Haushalt einen Internetanschluss hat und an die 60 Millionen Menschen ein Smartphone besitzen, heißt das nicht automatisch, dass die digitale Transformation im Gesundheitswesen auch so nutzbringend bei ihnen ankommt, wie sich das der Gesundheitsminister, Krankenkassen, Verbände oder App-Anbieter vorstellen.

Ergebnisse für Thüringen und Sachsen

Wie sieht es in Thüringen und Sachsen aus? Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass digitale Gesundheitsangebote zwar schon einen festen Platz im Leben vieler der Befragten haben. So gaben fast 40 Prozent der Studienteilnehmer in beiden Ländern an, digitale Helfer wie Fitnesstracker, Gesundheits-Apps oder Smartwatches wöchentlich oder häufiger zu nutzen. Auch nutzt jede*r Dritte eigenen Angaben zufolge wöchentlich oder häufiger Gesundheitswebsites. Der großen Mehrheit von mehr als 80 Prozent fällt es dabei leicht, Suchanfragen treffend zu formulieren.

Alle Menschen müssten bei der digitalen Transformation im Gesundheitswesen mitgenommen werden. Nur so können digitale Lösungen ihren Mehrwert entfalten.

Stefan Knupfer, Vorstand der AOK PLUS

Doch beim Umgang mit den Gesundheitsinformationen im Netz zeigen sich die Probleme. Die Hälfte aller Befragten findet es schwierig zu beurteilen, ob die gefundenen Informationen tatsächlich zuverlässig sind oder nicht (Thüringen: 53% / Sachsen: 50%). Vier von zehn Personen fällt es schwer zu beurteilen, ob die Informationen aus kommerziellem Interesse von Einzelpersonen oder Unternehmen veröffentlicht wurden (Thüringen: 44% / Sachsen: 42%). Jeweils rund 31 Prozent tun sich zudem schwer einzuschätzen, ob die gefundenen Informationen auf sie selbst zutreffen. Auch der Schutz der Privatsphäre ist für viele eine Herausforderung: 55 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer, und ebenso viele Menschen in Sachsen, empfinden es als schwierig zu beurteilen, wer ihre privaten Angaben online mitlesen kann.

Was die AOK PLUS tut

Die Bundesregierung hat die Krankenkassen im Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) verpflichtet, ihren Versicherten Angebote zur Förderung der digitalen Gesundheitskompetenz zu machen. Die AOK-Gemeinschaft tut das bereits an vielen Stellen, z.B. mit den Gesundheitsnavigatoren, die mit Qualitätsdaten bei der Arzt- und Krankenhauswahl unterstützen, und zahlreichen Online-Coaches zu Themen wie Pflege, Diabetes, Depression oder ADHS.

Auch die AOK PLUS bekennt sich zu ihrer Rolle. „Als Partner unserer Versicherten und der Leistungserbringer nehmen wir die Position ein, die digitale Kompetenz auf beiden Seiten zu stärken“, sagt Vorstand Stefan Knupfer. „Alle Menschen müssen bei der digitalen Transformation im Gesundheitswesen mitgenommen werden. Nur so können digitale Lösungen, wie die elektronische Patientenakte oder die Videosprechstunde, ihren Mehrwert entfalten.“


Eine detaillierte Auswertung der AOK-Studie finden Sie hier für Thüringen und Sachsen. Die gesamte Studie des Bundesverbandes finden Sie hier.

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